Der Stau als Chance

Der ADAC empfiehlt, bei Stau nicht den Alternativrouten zu folgen, die das Navigationsgerät vorschlägt. Dauert im Durchschnitt länger. Also lieber vorher Stauprognose gucken, sonst eben Kennzeichen raten, Fensterschilder basteln und den Menschen hinter dem Lenkrad am Kopf kraulen.

#1 Der Stau
Brennerpass
Zwischen Innsbruck und Sterzing liegt der Vater aller Urlaubsstaus. Brenner, das war früher unheimlich, erstens wegen des Namens und zweitens, weil Papa da immer fluchte. Daran hat sich nichts geändert. Nur mehr Mauthäuschen gibt es.

Die rettende Ausfahrt
Matrei am Brenner
Genau da, wo Land und Quengelei grenzwertig werden, das richtige Italien noch fern ist und die Lkw sich zu einem einzigen schleppenden Organismus verwachsen haben.

Die Exit-Strategie
Kurz in die Berge
Auf der alten Brenner Bundesstraße rollt es sich gleich befreiter. Bei Gries geht es ins schöne Außertal, am Ende der Fahrstraße wartet ein großer Parkplatz. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zum Obernberger See wandern, sein Wasser ist so klar, dass man jeden Fisch sieht, dazu gibt es am Ufer Felsen zum Kraxeln. Wer nicht so weit (ca. drei Kilometer) möchte, kann sich beim Parkplatz rechts halten, nach zehn Minuten kommt man zu alten Bergbauhalden. Mit gutem Blick findet man im Schutt am Wegesrand violette Fluorit-Kristalle. Schon hat der Urlaub sein erstes Souvenir!
#2 Der Stau
Fernpass und Inntalautobahn
Egal, ob man vom Allgäu über den anfälligen Fernpass schlängelt oder vom Bodensee Richtung Süden möchte – die Berge machen den Transit hier relativ beschwerlich und die ganze Region im Sommer für Autofahrer zur Qual.

Die rettende Ausfahrt
Imst
Da ist man entweder vom Fernpass-Gezuckel genervt oder vom Stop-and-go in einem der langen Tunnel auf der Inntal-Autobahn. Höchste Zeit für eine Pause.

Die Exit-Strategie
Achterbahn fahren
Der Alpine Coaster in Hoch-Imst bietet eine 3,5 Kilometer lange Abfahrt in Einzel- oder Doppelcoastern. Hoch geht’s mit der Seilbahn, runter mit bis zu 40 km/h. Keine läppische Sommerrodelbahn, sondern Schussfahrt, mit Steilkurven, Sprüngen und Wellen. Das perfekte Gegenprogramm zu Gaspedal und zäh fließendem Verkehr.

Alpine Coaster
Hoch-Imst 19 in Imst
Geöffnet: bis 15.9. täglich, 10–17 Uhr


#3 Der Stau
Elbtunnel

Schlimme Zahlen: 125 Staus über zehn Kilometer Länge gab es in den letzten zwei Jahren vor dem Elbtunnel. Probleme des Nadelöhrs zwischen Flensburg und Hannover sind Baustellen, Langsamfahrer und zu hohe Lkws.

Die rettende Ausfahrt
Hamburg-Waltershof
Auf der A7 von Süden ist die Ausfahrt Hamburg-Stillhorn die Lösung. Von hier zum Gartenschaugelände im Stadtteil Wilhelmsburg navigieren, wo 3000 Parkplätze warten.

Die Exit-Strategie
Im Garten Spielen
Die internationale Gartenschau in Hamburg hatte das Motto „In achtzig Gärten um die Welt“ und stillt so perfekt das Fernweh des pausierenden Autofahrers. Heute gibt´s zwar keine Gartenschau mehr, aber im Wilhelmsburger Inselpark sind einige Attraktionen der Gartenschau übrig geblieben.

Wilhelmsburger Inselpark
Am Inselpark 1, 21109 Hamburg

#4 Der Stau
Irschenberg
Der erste Buckel gleich hinter München stellt alle, die Richtung Süden wollen, vor eine Geduldsprobe. Ob es der erste Blick auf die Alpen ist oder die steile Auf- und Abfahrt – hier wird gebremst, kollidiert und hängen geblieben.

Die rettende Ausfahrt
Irschenberg
Das wollte man doch schon immer mal: Auf dem Höhepunkt des Staus entspannt abfahren können, weil man als Einziger wirklich einen Geheimtipp kennt.

Die Exit-Strategie
Kaffee trinken
Aber richtig. Schließlich hat sich hier die Familie Dinzler eine sehenswerte Kaffeeröstmanufaktur aufgebaut. Bohnen aus aller Welt werden im Kaffeehaus und Restaurant zum Gucken, Probieren und Kaufen angeboten. Das riecht nicht nur gut – das ganze Gelände ist ein angenehmer Ort für eine Pause. Wer weiß, vielleicht trinkt man den besten Kaffee des Italienurlaubs hier?

Dinzler Kaffeerösterei
Wendling 15, Irschenberg
Geöffnet: Täglich von 7–22 Uhr


#5 Der Stau
Hermsdorfer Kreuz
Das ist nicht nur ein Autobahnkreuz in Thüringen, sondern auch ein dickes rotes Kreuz in jeder Stauprognose des ADAC. Dank Baustellen wird es das wohl auch erst mal bleiben. Schlecht für alle, die von Berlin nach Süden aufbrechen.

Die rettende Ausfahrt
Schleiz
Die Ausfahrt kennt man aus dem Verkehrsfunk. Von hier sind es nur noch acht Kilometer bis zu den Ufern der Bleilochtalsperre und bis nach Saalburg.

Die Exit-Strategie
Märchen gucken
Gewusst? Im Märchenwald Saalburg gibt es das größte Hexenhaus Europas. Außerdem eine beruhigende Tschu-Tschu-Bahn, die zu den Schauplätzen von vierzig Märchen fährt. Wer es schneller mag, donnert gleich nebenan auf der Sommerrodelbahn mit Blick über die Bleilochtalsperre nach unten.

Märchenwald Saalburg
Dornbachgrund 1, Saalburg
Geöffnet: Täglich von 9–18 Uhr


#6 Der Stau
Hattenbacher Dreieck vs. Kirchheimer Dreieck
Mitten in Hessen liegen zwei der verkehrsreichsten Autobahnknoten Deutschlands. Hier verteilen sich Reisende und Rasende in alle vier Himmelsrichtungen – theoretisch. In der Praxis kommt sehr oft keiner vorwärts.

Die rettende Ausfahrt
Bad Hersfeld
Sehr günstig gelegen für alle, die auf der A7 oder der A4 vom Stau hören und sich rechtzeitig für eine Pause entscheiden. Sollte man eh häufiger machen.

Die Exit-Strategie
Graffiti sprühen
Diese und neunzig andere Mitmachstationen bietet das ungewöhnliche Ausstellungsgelände „Wortreich“ in Bad Hersfeld. Die Stadt will Besuchern die Errungenschaften ihrer beiden berühmten Konrads – Konrad Zuse und Konrad Duden – auf spielerische Art näher bringen. Bedeutet in echt: viel Bewegung, Raten und Ausprobieren. Also gerade das Richtige, wenn es im Auto nichts mehr zu entdecken gibt.

wortreich
Benno-Schilde-Platz 1, 36251 Bad Hersfeld
Geöffnet: Mo–Fr 9–17 Uhr, Wochenende 11–18 Uhr

Erstmals erschienen auf:

http://www.nido.de

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Weltumseglung mit Kind – geht das?

Ohne Windelvorrat, ohne Familienhotels, ohne Multivan und ohne die ständige Frage: ist das auch sicher? Vielleicht ist reisen mit Familie gar nicht so kompliziert, wie wir oft denken. Hier kommen Experten zu Wort, die mit ihren Familien Abenteuer erleben: Sie segeln, klettern und ziehen auf eigene Faust los.

Teil zwei unserer Serie: Ben Hadamovsky (47) ist fünf Jahre lang mit seiner Familie um die Welt gesegelt. Als es losging, waren seine Kinder ein und drei Jahre alt.

 

„Eigentlich wollten wir nur zwei Jahre Auszeit nehmen. Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und war von dem Leben in Deutschland gefrustet. Aber das Geld reichte dann doch länger als geplant. Die fünf Jahre Reisezeit haben sich einfach so ergeben: Als wir die Kanaren erreichten, merkten wir, dass es schwierig werden würde, von dort aus zurückzusegeln. Also haben wir den Atlantik überquert und uns so Schritt für Schritt um die Welt getastet. Hätten wir gleich die Idee gehabt, einmal um die Welt zu segeln, wären wir vielleicht gar nicht aufgebrochen. 

Wir haben uns viel Zeit gelassen, waren etwa ein halbes Jahr in Portugal und sechs Monate in Neuseeland; in Griechenland habe ich am Ende der Reise auch gearbeitet.

Das erste Jahr war haarsträubend: Meine Frau und ich hatten die Kinder nie zuvor zusammen erzogen, weil ich nur jedes zweite Wochenende zu Hause war. Plötzlich hatte ich Lisa und Nils nonstop um mich herum. In meinem Job war ich immer der Chef, hatte alles im Griff, und musste nun meine Grenzen neu kennenlernen – auf einem knapp zehn Meter langen Boot.

Wir haben uns gut vorbereitet mit Rettungsinsel, Satellitentelefon und einem dicken Erste-Hilfe-Koffer, trotzdem haben uns unsere Freunde für verrückt erklärt. Die Rettungsutensilien haben wir auf der ganzen Reise nie gebraucht. Vielleicht auch, weil an Bord strenge Regeln galten: An Deck mussten die Kinder immer einen Sicherheitsgurt tragen, der an einer Leine hing. Eine Schwimmweste hätte keinen Sinn gehabt. Wenn jemand ins Meer fällt, ist er weg. Die Leine dagegen war so kurz, dass man nicht mal aus dem Boot herausfallen konnte.

Angst hatte ich schon ab und zu, am schlimmsten waren die Piraten, auf die wir im Golf von Aden gestoßen sind. Zum Glück kamen sie nur bis auf hundert Meter an unser Boot heran und nicht näher.

Besonders gut hat es uns in Neuseeland gefallen, im gesamten Pazifikraum, aber auch auf La Gomera und am Rio Guadiana in Portugal. Wir könnten uns vorstellen, mal wieder loszuziehen, aber unser Boot haben wir nach unserer Rückkehr verkauft. Es soll nicht nur im Hafen liegen, sondern um die Welt segeln.“

 

Website:

www.nido.de/artikel/weltumseglung-mit-kind-geht-das

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Das große Missverständnis

Wir hatten eine Heidenangst vor diesem Urlaub. Das hieß, zwei Wochen allein mit unserer Tochter zu verbringen. Ob wir diesen Bespaßungstest bestehen würden, war so klar wie die Wettervorhersage. Unsere Tochter ist aus der Kita ein wildes Programm gewöhnt: Dort klettert sie auf Bäume, singt, bastelt, isst pünktlich um 12.30 Uhr zu Mittag, nicht zu warm, nicht zu kalt, danach wieder turnen, fangen, malen, kloppen. Meistens kommt sie nachmittags mit bunt bemaltem Gesicht und erdverschmierter Hose auf einen zugerannt.

Das muss man erstmal toppen! Da wir ihrem Bewegungsdrang und dem Kinderprogramm gerecht werden wollten, buchten wir einen durchorganisierten Cluburlaub: ein mallorquinisches Pauschalparadies mit Poollandschaft, Minidisco, nervigen Clowns, Kindern soweit das Auge reicht und einem Buffet mit Pommes, Pizza, Nudeln und 28 verschiedenen Nachspeisen. Wir waren schwer bewaffnet. Mit uns würde es nicht langweilig werden. Können wir mit links, was die Kita kann!

Siegessicher durchschritten wir die überfüllte Hotelanlage vor der malerischen Goldküste im Südwesten Mallorcas. Zu zweit wären wir nie hierher gekommen. Gefühlte 4000 Gäste aus aller Welt besetzten die Poolliegen; abends schaute man sich bei Sangria die Animateur-Version von Cats an und früh morgens weckte einen der Hunger-Kanon unzähliger Säuglinge. Eigentlich mögen wir Rucksackreisen, unkonkrete Unterkünfte, Wanderungen zu Bergvölkern und sowas.

Aber wir wollten ihr kein pädagogisch wertvolles Reiseprogramm aufzwingen, das hätten wir egoistisch gefunden. Wenn unsere Tochter nur vollanimiert glücklich ist, sind wir es eben auch. Nur, so war es nicht. Am vierten Tag wurde es langsam komisch. Sie war eigentlich ganz guter Dinge, wollte aber partout nicht mit anderen Kindern spielen. Sie hütete ihr Spielzeug wie einen heiligen Gral und wich kaum von unserer Seite. Selbst die Bernd-das-Brot-Hüpfburg im Ort schaute sie nur kurz interessiert an, hüpfte einmal und sprach nicht mehr davon. Beim Abendbuffet rührte sie nur die Pizza an und etwas Eis. War sie krank? Was war mit ihr los? Was haben wir falsch gemacht? Und wo konnte man Beschwerde einlegen?

Erst mal mieteten wir etwas ratlos Fahrräder und fuhren in die abgelegene Bucht eines Naturschutzgebiets. Hier waren kaum Menschen, es gab nur Sand und eine azurblaue Lagune, in der eine Yacht wogte. Nachdem unsere Tochter in Ruhe den weißen Sand durch Finger und Zähen rieseln ließ, lief sie zum Wasser und spielte mit der Gischt. Sie war da nicht mehr wegzubekommen. “Wollen wir hier wohnen?”, fragte sie.

Vielleicht, dachten wir, brauchte auch sie eine Auszeit. Etwas Ruhe von der aufregenden Kita mit all den Freunden, die ja gleichzeitig auch Konkurrenten sind. Weg von den ständigen Auseinandersetzungen und Verhandlungen, von den Reizen und dem Lärm. Ein bisschen mehr Zeit mit den Eltern verbringen als die paar Stunden an den müden Abenden, ein bisschen öfter eindösen wann man will oder wach bleiben solange man will. Jeden Tag die gleiche Pizza essen. In den Himmel gucken. Es ist schön, wenn sich der Nebel lichtet.

Unseren nächsten Urlaub planen wir nun gemeinsam. Im Internet hat unsere Tochter sich bereits die Serengeti angeschaut, wo angeblich der König der Löwen lebt. Und Bilder der Arktis, in der vermutlich Robbe Robbie von Eisscholle zu Eisscholle springt.

 

Übernommen aus:

www.nido.de/artikel/cluburlaub-mit-tochter

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Eisernes Tor: Wo sich die Donau wild in ihrem Flussbett wälzte

Mit dem Ober- und Unterlauf der Donau ist es wie mit zwei ganz unterschiedlichen Frauen: “Die eine ist geradlinig, präzise, beherrscht. Man weiß genau, was man von ihr zu erwarten hat”, sagt Kapitän Aleksandar Jovanović. Die andere dagegen gebärde sich wild und gefährlich, sei voller Überraschungen. “Nie kann man sich bei ihr sicher sein, wie sie reagieren wird, und verstehen kann man sie nur mit Erfahrung – und mit viel Gefühl.”

Aleksandar Jovanović kennt die Donau. Er befährt den Fluss nunmehr seit 18 Jahren – und somit genau seit der Hälfte seines Lebens. Jovanovićs große Leidenschaft gilt vor allem dem Eisernen Tor, dem Donaudurchbruch zwischen den serbischen Städtchen Golubac und Kladovo, wo sich der Fluss einen abenteuerlichen Weg durch die Karpaten gesucht hat und der heute die Grenze zwischen Serbien und Rumänien bildet.

Unter Schiffern galt diese Passage einst als lebensgefährlich. Allerdings kann Jovanović jene Zeiten, in denen sich die Donau im Eisernen Tor häufig wild in ihrem Bett wälzte, gar nicht mehr kennen. Denn schon lange bevor er geboren wurde, hat man den Fluss in Serbien gezähmt, zunächst Ende des 19. Jahrhunderts durch die Regulierung von Stromschnellen und in den vergangenen 50 Jahren durch Wasserkraftwerke und die dazugehörigen Staustufen.

Der wildromantische Abschnitt

Diese waren im Frühjahr 2014 ein wahrer Segen, als nicht enden wollende Regenfälle zu massiven Überschwemmungen im ganzen Land führten. Im Eisernen Tor aber konnte man den Wasserpegel ausgleichen, die Landschaft blieb unberührt. So ist dieser Teil der Donau nach wie vor der wildromantischste – und einer der schönsten allemal.

Über gut 100 Kilometer mäandert die Donau hier durch dicht bewaldete Bergzüge. Mal liegt sie fast behäbig da, weitet sich bis zur Breite eines Sees aus und gibt den Blick frei auf tiefgrüne Wälder. Dann wieder zwängt sie sich durch enge Schluchten mit bis zu 300 Meter hohen Felswänden. An ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade mal 150 Meter breit, dafür aber unheimliche 90 Meter tief.

Die Faszination dieser Naturgewalt erlebt man am besten vom Boot aus. Aleksandar Jovanović, der in den Wintermonaten große Tanker die Donau hinauf- und hinuntersteuert, hat vor fünf Jahren das Ausflugsboot “Stevanske livade” gekauft und restauriert. Mit ihm stellt er im Sommer und Herbst Touristen seine Donau rund um Donji Milanovac vor, einem Städtchen im Zentrum des Eisernen Tors.

Höhepunkt jeder Donaureise

Und da der Fluss auf serbischer Seite vom Nationalpark Djerdap gesäumt wird, führt eine Bootstour mitten hinein in unberührte Wildnis. Als “Höhepunkt jeder Donaureise” kündigt unsere Reiseleiterin auf dem Boot die berühmte Tabula Traiana an. Einige eifrige Reisende mit schlauen Büchern in der Hand suchen mit den Augen schon das Ufer ab, als Jovanović auf einen Felsen zeigt.

Manch einer schaut dann recht enttäuscht, als im grauen Gestein eine helle, drei mal zwei Meter große Marmortafel sichtbar wird, die sich farblich kaum abhebt. Das also ist die berühmte Trajanstafel?

Mit einem Adler und Delfinen huldigt sie dem römischen Kaiser Trajan, der hier schon im ersten Jahrhundert eine Straße anlegen ließ – so spektakulär auf Holzbalken entlang der Felswand, dass der Bau auf der Trajansäule in Rom verewigt wurde.

Und als im Zuge der Bauarbeiten für das Wasserkraftwerk Djerdap das Tal 1972 geflutet werden musste, versetzte man die Inschrift samt Felsen ein Stück höher. Eindrucksvoll ist ihr neuer Platz auf jeden Fall immer noch: Ausschließlich mit dem Schiff kann man sich dem Monument nähern. Die Rumänen stellten dem antiken römischen Kunstwerk vor etwa zehn Jahren eine moderne 40 Meter hohe Statue gegenüber.

8000 Jahre zurück in die Vergangenheit

Auf ihrer Uferseite ließen sie das Konterfei des Dakerkönigs Decebalus in eine Felswand meißeln – auch wenn dieser im Dakerkrieg 106 n. Chr. gegen Trajan verloren hatte. In Donji Milanovac, dem serbischen Städtchen im Zentrum des Eisernen Tors, entlässt der Kapitän seine Passagiere. Von hier aus geht es auf der Landstraße innerhalb weniger Minuten um 8000 Jahre zurück in die Vergangenheit.

Am Donauufer entdeckten Forscher in den 60er-Jahren die Reste der steinzeitlichen Siedlung Lepenski Vir, die mehr als 2000 Jahre lang bewohnt gewesen sein soll. Denn ein besonderes Mikroklima bot den Menschen hier ideale Lebensbedingungen mit nicht zu heißen Sommern und recht milden Wintern. Außerdem waren die reichen Fischgründe der Donau eine ergiebige und nie versiegende Nahrungsquelle.

Da der Spiegel der Donau für das nahe Wasserkraftwerk angehoben werden musste, hat man auch die archäologische Stelle 30 Meter höhergelegt und mit einem Glasbau ummantelt. Zu sehen sind die Grundrisse von Häusern, Gräber aus verschiedenen Epochen sowie Skulpturen aus Sandstein. Welch zentralen Stellenwert die Donau im Leben einnahm, zeigen Figuren menschlicher Wesen mit Fischkopf.

Luchse, Wildkatzen und zurzeit 20 bis 30 Wölfe

Einige Besucher umkreisen fasziniert zwei Hologramme, die mögliche Hausformen aus der Steinzeit darstellen, andere nutzen einen Bildschirm, um virtuell durch steinzeitliche Wohnungen zu streifen. Die Siedlung Lepenski Vir liegt mitten im Nationalpark Djerdap, der die Donau auf serbischer Seite durch das gesamte Eiserne Tor begleitet.

 

Das rund 640 Quadratkilometer große Naturparadies beheimatet eine Artenvielfalt, von der andere Nationalparks in Europa nur träumen können. Hier fühlen sich Adler, Waldschildkröten, Luchse, Wildkatzen und zurzeit auch 20 bis 30 Wölfe wohl. Noch ist die Natur im Nationalpark Djerdap völlig unberührt, und auch für die Zukunft setzen die Verantwortlichen auf strikte Besucherlenkung.

So ist es tatsächlich verboten, sich ohne offizielle Begleitung im Gebiet mit der Schutzstufe 1 aufzuhalten. Trotzdem soll der Besuch für Wanderer ganz unbürokratisch ablaufen. Am besten meldet man sich ein, zwei Tage vorher im Besucherzentrum in Donji Milanovac, schaut sich dort den großartigen Einführungsfilm zum Nationalpark an und bucht für rund zehn Euro einen Guide.

Mit Herzklopfen und auf eigene Gefahr

Die Wanderungen starten meist mitten im Wald. Treffpunkt ist das 2014 neu eröffnete Naturschutzzentrum, das in einer kleinen Ausstellung die Flora und Fauna der Region zeigt. Auf schmalem Pfad geht es durch Wälder und Blumenwiesen mit Orchideen und Glockenblumen. Der Duft von Thymian und Minze steigt in die Nase, das Zirpen der unzähligen Insekten und Vögel klingt in den Ohren.

Nur eine Viertelstunde dauert es, bis die Wanderer zu einem spektakulären Aussichtspunkt über der Donau gelangen. Wer den besten Blick auf den Strom haben möchte, kraxelt weiter über spitze Felsen bis an den Abgrund – mit Herzklopfen und auf eigene Gefahr. Für weniger wagemutige Abenteurer ist zum Glück bereits eine sichere Plattform geplant.

Nicht weit vom Städtchen Donji Milanovac hat sich ein serbischer Künstler sein kleines Donauparadies erschaffen: Živorad Stefanović empfängt seine Gäste ohne Schuhe, dafür mit kräftigem Händedruck und einem hausgemachten Honigschnaps. “Ich bin Žika, der Barfüßige”, stellt er sich vor, “und das hier ist mein Selbstporträt.” Der Mann grinst und hält eine kleine Skulptur in die Luft. Es ist ein Fuß aus Holz.

Stefanović wuchs ganz in der Nähe seines heutigen Domizils auf und geht, wie er selbst erzählt, seit er fünf Jahre alt ist nur noch barfuß. Mit seinem Anwesen Kapetan Mišin breg (Hügel von Kapitän Miša) hat er sich einen Traum erfüllt. Wie ein Adlerhorst liegt es auf einem Bergrücken und eröffnet einen berauschenden Blick über eine Biegung der Donau. Zwischen Froschteich, Pflaumenbäumen und lauschigen Lauben bevölkern etwa 400 Holzskulpturen den Garten.

“Zum Teil sind sie durch die Skulpturen der Steinzeitsiedlung Lepenski Vir beeinflusst”, sagt der Künstler und verrät, dass er die menschlichen Wesen mit Fischkopf gern um Inspiration bittet. Nach Voranmeldung können Kunstsinnige und Ruhesuchende in Živorad Stefanovićs Gesamtkunstwerk aus Open-Air-Galerie, Naturreservat und Öko-Lodge ausspannen.

Über der Donau Ruhe und Freunde gefunden

Gäste wohnen in einfachen Zimmern, und zum Mittagessen schöpft Suzana, die Tochter des Hauses, Hühnersuppe aus einem schweren Tonkrug. Danach gibt es vom bunt gedeckten Tisch frittierte Brennnesseln, hausgemachten Ziegenkäse, Grillfleisch und gefüllte Teigtaschen – alles ökologisch produziert, wie Stefanović betont. Dann setzt er sich mit einem Glas Wein zu seinen Besuchern in die ziegelgedeckte Laube am Rand des Hügels.

Unten wälzt sich träge die Donau in ihrem Bett, und zur Abenddämmerung zwitschert und zirpt es in den Bäumen. “Hier oben habe ich meine Ruhe gefunden und bin ein extrem reicher Mensch geworden”, sagt Stefanović. “Sie müssen wissen, dass ich Reichtum nicht nach Geld einschätze, sondern danach, wie viele Freunde jemand hat.” Und er habe hier oben, hoch über der Donau, viele neue Freunde gefunden.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der Nationalen Tourismus Organisation Serbiens. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

 

Erstmals veröffentlicht:

 

www.welt.de/reise/nah/article134350625/Wo-sich-die-Donau-wild-in-ihrem-Flussbett-waelzte.html

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November-Blues? Schnell nach Italien – in Triest scheint die Sonne!

Okay, jetzt beginnt die dunkle Jahreszeit. Nichts für zarte Seelen. Was hilft? Licht und Weite. Am liebsten erst gar keine trübe Stimmung aufkommen lassen und sich von der norditalienischen Hafenstadt Triest inspirieren lassen. Wer sich in die Mitte der riesigen “Piazza dell’Unità d’Italia” stellt, braucht dem Gefühl, das Leben sei im Prinzip voller Möglichkeiten, nur Raum zu geben.

Von der Größe des Platzes her können nur St. Petersburg (mit dem grandiosen Schlossplatz) und Lissabon mithalten. Ähnlich wie die “Praça do Comercio” in Lissabon öffnet sich auch die Piazza vor dem Rathaus Triests zum Wasser hin. Triestiner treffen sich gern am “Brunnen der vier Kontinente” von 1750 (der fünfte war damals noch nicht entdeckt). Nach einem Aperitiv im traditionsreichen “Caffè Specchi” spaziert man auf der Mole Richtung Meer. Sollte jemand im Sonnenuntergang trotz gegenteiliger Bemühungen von einer gepflegten Melancholie empfangen werden, dann war das so nicht geplant – und geht hoffentlich auch wieder weg.

Ein paar Schritte entfernt liegt der nur am späten Nachmittag geöffnete Laden “Blu di Prussia” der Restauratorin Susanna Coronica. Man schiebt ein schweres, altes Segel beiseite und steht zwischen Bildern, wunderschönen Kommoden, Schiffsplanken, Kerzen, Weihnachtsschmuck und gestrickten Hasen. Ein Märchen aus tausendundeinem Holz (Via Cadorna 10).

Entspannt einschlafen? Am liebsten im “Tra i tetti” von Elisa Iust, die sich aus der Immobilienbranche verabschiedet hat, um dieses winzige B&B mit nur zwei Zimmern zu eröffnen. Blick über die Dächer genießen, zu Fuß zur Markthalle bummeln und die sympathische Gastgeberin nach weiteren schönen Adressen in der Umgebung fragen. Tipp: Das Zimmer “San Giusto” geht nach hinten raus. DZ/F ab 45 Euro (Via Matteo Renato Imbriani 10, Tel. 0039/040/260 46 56, www.bbtraitetti.com ). Alternativ bei Aldo Stock einchecken, der seit zwölf Jahren das Hotel “L’Albero Nascosto” betreibt. Grandioser Salon, leckeres Frühstück, Kunst. Am schönsten (und ruhigsten) ist Zimmer 10 unter dem Dach. DZ/F ab 115 Euro (Via Felice Venezian 18, Tel. 00 39/040/30 01 88, www.alberonascosto.it ).

 

Übernommen aus:

www.brigitte.de/reise/reiseberichte-und-infos/triest-italien-1220105

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Pannen in den Ferien: Na, wie war der Urlaub?

Regen, Mücken und Sonnenbrand. Weinende Kinder, streitende Freunde und die Unmöglichkeit, Zugtickets zu ergattern. Wer von den Ferien immer nur schwärmt, lügt oder hat Glück gehabt. SZ-Autoren und ihre schlimmsten Urlaubspannen.

Spaßterror

Ein Ferienhotel auf der kroatischen Insel Mali Lošinj, ein Stapel Bücher, es ist die herbeigesehnte oder auch nur herbeigeredete Entspannung. Doch irgendwann siegt die Versuchung: Die zehnjährigen Mädchen wollen auf die Reifen, die übers Wasser fliegen, was lustig aussieht, wenn man am Strand liegt. Der Kapitän des Motorboots deutet mahnend auf die Schwimmwesten; zwei gefallsüchtige Väter und zwei ahnungslose Töchter nehmen nach einer kurzen Instruktion (“alles easy”) ihre Plätze ein.

Und los geht die Fahrt mit dem Vierspänner, eher gemächlich, bis der nette Kroate, animiert vom Seegang, mal so richtig Gas gibt. In den Gesichtern der Mädchen, die gerade noch voller Begeisterung waren, spiegelt sich jetzt das blanke Entsetzen, wobei der Bootsführer das Kreischen als Zustimmung wertet, noch einen Gang zulegt und Wellenklatschen spielt. Eine Tochter jault fast so laut auf wie der Motor, das Gesicht voller Salzwasser und Tränen. Wie lautete doch der Kommentar der fränkischen Reisegruppe, die vor uns dran war? “Dodaaal abardig.”

Regnerischer Sommer in Italien Hallo! Sonne?

Je kürzer der Urlaub wird, umso perfekter muss er sein. Doch wenn es regnet, ist nichts locker. Nicht der Sand. Nicht die Leute. Besuch auf einem der größten Campingplätze der Adria – in einem Sommer, wie sie ihn dort noch nicht erlebt haben.

Nach endlosen 15 Minuten hat der Kapitän ein Einsehen und steuert den Strand an. Ein Vater hat blutige Ellbogen, weil er sich mit der Wucht eines Akkuschraubers in den Haltegriff des Gummitiers hineinmanifestiert hatte. Der andere versucht vergeblich, seine wimmernde Tochter zu besänftigen: War doch nur ein Spaß! Oh ja, unvergesslich.

Christian Mayer

Autopanne

Das Wohnmobil war fabrikneu. Wir hatten es für drei Wochen ausgeliehen, um damit den Rhein entlangzufahren, von der Quelle zur Mündung. So ein Haus auf Rädern ist ja eine prima Sache – solange man damit nicht einparken, rückwärtsfahren oder wenden muss. Beim ersten Rangierversuch stand leider ein Felsen im Weg. Beule Nummer eins. Das seitliche Einparken lief auch nicht so glatt. Beule Nummer zwei.

Die Allee in Düsseldorf war schön, aber die Äste der Platanen hingen dann doch tiefer als erwartet. Beule Nummer drei. Nach drei Wochen war ich so nervös, dass ich am liebsten nicht mehr anhalten wollte, vor lauter Angst vor der Beulenpest. Deshalb lehnte ich die Bitte meiner Kinder, auf dem Weg zur Rückgabestation bei McDonald’s zu halten, hartherzig ab. Wie sollte ich denn da bitte parken mit so einem Monster? Darauf der Vorschlag meiner schlauen Tochter: “Fahr doch durch den Drive-through!” Spitzenidee. Allerdings stellten wir fest, dass die Höhenbegrenzung ein paar Zentimeter unter der Gesamthöhe unseres Fahrzeugs lag – und zwar genau in dem Moment, als das Wohnmobil scheußlich knirschte und dann feststeckte.

Sommerurlaub in aller Welt Weg hier!

Die peinliche Szene, in der ich auf das Dach klettere und das abgerissene McDonalds-Schild vom Auto zerre, ist auf vielen Handy-Videos zu sehen, denn der Unfallort war schnell von mehreren Schulklassen umringt, die gerade aus ihren Bussen ausgestiegen waren. Beulen Nummer vier und fünf. Der Schadensbericht, den ich bei der Versicherung ablieferte, wird dort wahrscheinlich bei jedem bunten Abend zur Erheiterung vorgelesen.

Titus Arnu

Bettwanzen

Der Biss der Bettwanze wirkt spät. Erst Stunden nach dem Aufstehen fängt es an zu kribbeln, anfangs nur ein bisschen, am Ende würde man sich am liebsten die Haut abziehen. Die meisten Urlauber haben nur von den Biestern gehört, aber fast jeder Pilger lernt sie irgendwann kennen. Ich habe in der Meseta das Vergnügen, dem kargen spanischen Hochland, das den Jakobspilger kurz nach Burgos erwartet.

Die Übernachtung im Refugio kostet wie immer nur ein paar Euro, ist angesichts der muffigen Laken und der Schnarchorgie der Bettnachbarn aber auch kein wirkliches Schnäppchen. Am nächsten Tag marschiere ich im Morgengrauen mit zwei dicken Kolumbianern los. Bei unserer ersten Kaffeepause setzt das Kribbeln ein. Kurz darauf fange ich an, mich zu kratzen. Gegen Mittag erklären die Dicken, dass sie jetzt lieber allein weiterlaufen würden.

Urlaubsziele der Deutschen Ballermann und Ballerfrau

Endlich Urlaub! Aber wohin? Fernreisen sind zwar ein beliebtes Partygespräch, doch im Normalfall heißt es für Deutsche eher “Malle” statt Malediven. Die Badewanne Mittelmeer lockt, auch in Krisenländern füllen sich die Hotels wieder.

Am Abend haben sich die aufgekratzten Stellen an Armen und Beinen in Verbindung mit der Sonnenmilch in dicke Pusteln verwandelt, aus denen abwechselnd Blut und eine wässrige Flüssigkeit laufen. Der Juckreiz: kaum auszuhalten. Er begleitet mich weiter. Bis Santiago de Compostela, etwa 500 Kilometer lang. Vielleicht kommen auch ständig neue Bisse dazu, keine Ahnung. Der Jakobsweg, heißt es, gibt jedem Pilger das, was er verdient.

Marc Felix Serrao

Unfall

Die Berliner Familie im Nachtzug nach Zürich, unterwegs in die Schweizer Alpen. Die Kinder schlafen, der siebenjährige Sohn mit seinem Panini-Album im Arm, es ist Fußballweltmeisterschaft. Plötzlich, der Zug steht gerade, ertönt ein Knall, gefolgt von Geschrei. Der Junge ist aus dem obersten Bett des Liegewagens gestürzt, Blut läuft vom Kopf in sein Deutschland-Trikot. Der Schaffner kommt, dann drei Sanitäter mit einer Trage.

Im Halbschlaf rafft die Familie ihr Gepäck zusammen, um die Weiterfahrt im Rettungswagen anzutreten. Für die Frage, wo man eigentlich sei, reicht es noch. Auf dem Bahnhof Mannheim, was sich später als die Unfallursache herausstellen wird. Dort rangiert der Nachtzug, was wohl mit einer Wucht geschah, dass es den Jungen aus dem Bett katapultierte. Statt auf die Bergstation geht es für die Berliner Familie nun stationär ins Krankenhaus. Die Diagnose ist schnell gestellt, Verdacht auf Gehirnerschütterung.

Die Ärztin sagt, dass der Junge eine Woche nicht in die Sonne und keinen Sport machen dürfe. Und Fernsehen sei bei Gehirnerschütterung kontraindiziert. Es ist 3.41 Uhr morgens im Universitätsklinikum Mannheim, der erste Ferientag, der Tag des Finales der Fußballweltmeisterschaft. Und noch bevor die Ärztin die Worte “absolutes Fernsehverbot” fertig ausgesprochen hat und das Geheul eines siebenjährigen Jungen das Krankenzimmer erfüllt, ist klar, dass die Therapie des Problems das noch viel größere Problem sein würde.

Verena Mayer

Ticketprobleme

Wir betreten die Schalterhalle des Lissaboner Bahnhofs Santa Apolónia gegen 19 Uhr mit der Absicht, Fahrkarten für einen Nachtzug zu kaufen, der um 21.18 Uhr ins französische Hendaye fährt. Über das Strebertum, so zeitig da zu sein, hat sich ein Mitreisender da schon weidlich lustig gemacht. Sechs Schalter haben geöffnet, vier für “Inland”, zwei für “Ausland”.

Postkarten aus dem Urlaub “Bunt und kitschig muss es sein”

Boris Hesse bringt die Hälfte aller Ansichtskarten heraus, die in Deutschland gekauft werden. Ein Gespräch darüber, weshalb amerikanische Touristen nicht ans Meer fahren, Japaner den Rhein lieben und Angela Merkel auf Postkarten nicht laufen würde. SZ-Magazin

Vor den Auslandsschaltern drängen sich etwa achtzig Leute, viele Interrailer. Vor den Inlandsschaltern drängt sich: niemand. Die einsamen Mitarbeiter sagen höflich: “Für Auslandskarten wenden Sie sich bitte an unsere Auslandsschalter.” Im Verlauf der nächsten Stunde gelingt es den beiden Fachverkäufern für Schienenfernreisen, locker elf, zwölf Kunden zu bedienen. Weil es so gut vorangeht, macht um 20 Uhr einer der Auslandsschalter zu.

Um 21.17 Uhr flehen Dutzende Deutsche, Engländer und Italiener den Schaffner des Sud-Expresso an, doch bitte auch ohne Ticket einsteigen zu dürfen. Der Mann erklärt sachlich, aber bestimmt, dass man in seinem Land fürs Zugfahren Fahrkarten brauche. Nach einem Regenguss ist der Abend in Lissabon dann angenehm mild und der gegrillte Hammel ausgezeichnet.

Roman Deininger

Gruppenkoller

In dem Streit ging es oberflächlich darum, dass die eine Mutter eine Tierschützermutter ist und der Vater einer anderen Familie findet, dass Tiere vor allem erst mal stinken. Unter der Oberfläche ging es darum, dass drei Elternpaare und acht Kinder seit zehn Tagen in einem Haus am Strand festsaßen, Italien, Regen, dünne Wände. Nachts Mücken, wimmernde Babys, irgendwelche Tiere unterm Dach. Warum noch mal macht man das mit dem Verreisen?

Am letzten Abend kann man jedenfalls immerhin draußen essen. Die Kinder toben im vermatschten Garten, überhaupt, die Kinder lieben sich in diesem Urlaub, die können das ja mit der Enge. Die Eltern trinken Wein und schweigen, zwischendurch atmen sie tief, laut durch. Dann schleicht ein Tier in der Dunkelheit herum. Marder? Katze? Was Größeres? Die eine Mutter stellt eilig einen Speiseresteteller für das Tier zusammen, während der andere Vater aufspringt, in die Küche rennt und mit der Riesenwasserpumpgun bewaffnet brüllend in den Garten stürmt. “Jetzt hab ich dich! Gib Ruhe, du Stück!”, schreit der Vater und spritzt wild um sich. “Tiermörder! Du bist ein Tiermörder!”, schreit die Mutter und springt auf.

Der Streit eskaliert dann im Laufe des Abends über mehrere Stufen. Es wird gestritten, wie unter Erwachsenen im Grunde überhaupt nicht mehr gestritten wird. Laut, gemein, persönlich, grundsätzlich, nachtragend, alle durcheinander. Alle schlafen tief in dieser Nacht. Am nächsten Tag fahren sie aufgeregt nach Haus. Im Auto fragen die Kinder, ob sie nun nie mehr mit ihren Freunden in den Urlaub fahren werden.

Dieses Jahr waren wir alle zusammen im Allgäu. Vor dem Haus grasten Kühe. Es war viel zu kalt für Wasserpumpguns. Aber es war wunderschön.

Vera Schroeder

Miese Küche

Es sollte so richtig die große Cucina Italiana werden – zwei Wochen Süditalien, ein tolles Haus, vier begeisterte Esser und jeden Tag auf den Markt! Deshalb wählten wir den Erntemonat September als Reisetermin ins Cilento, suchten schon ein Jahr vorher das perfekte Ferienhaus. Nach Wochen abendlichen Abwägens war die Wahl auf ein großes Haus am Hang gefallen, teuer, aber freie Sicht aufs Meer und drei Terrassen mit Zitronenbäumen und Rosmarinrabatten. Wir packten viele Kochbücher und wenige Klamotten ein, schließlich hatte es noch 27 Grad, und fuhren dann sehr lange in eine Richtung, nicht ohne dabei schon den ein oder anderen Marktstand zu plündern.

Schlechte Aussichten, tolle Leserfotos Hotel Tristesse

Das Haus war prächtig, die Terrasse groß, die Zitronenbäume vorhanden, das war aber auch das einzige kulinarische Entgegenkommen. Die Küche, die auf den Fotos großzügig gewirkt hatte, war klein und vollgestellt, der Gasherd funktionierte nur zur Hälfte, es gab keine Schneidbretter und, unfassbar, nicht mal richtige Gläser. Dem Grill fehlte der Rost, dafür rostete der Backofen, und das Wasser im Spülbecken lief nicht ab. Darüber hing ein Schild, das auf Deutsch die Hausregel ausgab: “Bitte werfen Sie den Mull in den Ort”.

Da standen wir, mit Kisten voll Tomaten und einer tropfenden Tüte mit frischen Rotbarben und hatten nicht mal ein Schneidebrett. Eine abgebrochene Türklinke, einen Skorpion unterm Sofa und zwei Nächte in einem kollabierenden Bett später wussten wir, wie mit der neuen Situation umzugehen war: Wir gingen einfach nicht mehr ins Haus. Blieben von morgens bis abends im Garten und zogen um zehn Uhr nachts runter in die Restaurants. Nächstes Mal reicht wieder ein Zelt!

Max Scharnigg

 

Erstmals erschienen auf:

http://www.sueddeutsche.de/reise

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Ärgern, aber richtig: Wie man Zugbegleiter zur Weißglut bringt

Um es vorwegzunehmen: Die Bahn ist ein wunderbares Verkehrsmittel, und die Deutsche Bahn ist viel besser als ihr Ruf. Sind Sie jeden Tag pünktlich? Also! Und die Bahn fährt täglich 25.000 Personenzüge in Deutschland.

Undifferenziertes Bahn-Bashing ist total out, seine tarifpolitischen Spielchen auf dem Rücken der Fahrgäste austragen allerdings auch. Für Warnstreiks, mit denen das wahrlich nicht fürstlich entlohnte Zugpersonal mehr Geld und verträglichere Arbeitszeiten durchsetzen will, könnte man Reste von Verständnis aufbringen – für Arbeitsniederlungen, weil sich die Gewerkschaften einen Machtkampf liefern jedoch ganz sicher nicht.

Und um ein Kräftemessen der Gewerkschaften geht es in diesem Tarifkonflikt. Deshalb stundenlang in stehenden Zügen sitzen und gar Zugausfälle hinnehmen müssen, ist ärgerlich. Also ärgern wir zurück. Aber richtig. Denn ein erfahrener Eisenbahner, den die Streiks aufregen, gibt dafür Tipps.

Sag mir, auf welcher Seite Du stehst

Beim ersten Kontakt geht man das Zugpersonal gleich ganz direkt an: “In welcher Gewerkschaft sind Sie eigentlich? Bei der EVG oder gar in dieser GDL?” Das an sich ist schon eine Frechheit, und ein Bahner, der unvorsichtigerweise darauf antwortet, hat sofort verloren.

Outet er sich als einer von der Lokführergewerkschaft GDL, nennen Sie ihn einen Streikhansel, der sein Lohnplus auf Ihrem Rücken erkämpft. Was ja stimmt. Sagt er EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) können Sie ihn als Flaumacher verspotten, der sich mit dem Bahnvorstand angeblich ins Bett legt. Entsprechend geschmacklose Karikaturen verbreitet die GDL derzeit.

Hält sich der Bahner hingegen klug zurück, haben Sie immerhin Konfliktbereitschaft gepaart mit einer gesunden Portion Halbwissen bewiesen – wer weiß schon von EVG und GDL und ihrem internen Zwist. Die erste Provokation dürfte gelungen sein. Blöd ist, wenn Sie an einen der wenigen Beamten geraten, die nicht streiken dürfen. Dem müssten Sie eigentlich um den Hals fallen.

Nur noch rasch ein Dessert bestellen

Die 1. Klasse ist für Bahnkunden schön, für Bahnmitarbeiter ist es der Dienst dort nicht. Unter anderem, weil es da den Service am Platz gibt. “Am schlimmsten bei diesem Job sind nachträgliche Essensbestellungen”, verrät unser Bahn-Informant. Die Zugbegleiter müssen sich neben allen anderen Aufgaben mit vollen Tabletts von der “Bordküche” durch die Gänge quälen und Kellner spielen.

“Wenn dann ein ganzes Abteil versorgt und damit bedient ist und einer dann doch noch einen Nachtisch will, ist das echt kein Vergnügen.” Denn dann geht die Rennerei wieder los – für ein Schälchen Kompott. Und es warten noch so viele andere Abteile mit ungeduldigen Menschen, die versorgt werden wollen.

Tummelfeld für Nicklichkeiten

Dasselbe Spielchen können wir in der 1. Klasse mit den Zeitungen spielen. Die Bahn bietet dort mehrere Blätter an. “Wir haben zu Beginn meist zehn Zeitungen über dem Arm hängen. Das ist irgendwann richtig schwer, sie den ganzen Tag durch die Gänge zu schleppen”, sagte der Bahner.

Soll der Ärger gelingen, sucht man sich natürlich die Zeitung aus, die es da an diesem Tag gibt, die unser Zugbegleiter aber just in diesem Moment nicht dabei hat. Für seine Premiumkunden wird er nach einem Exemplar auf die Suche gehen.

Zugegeben, das ist gemein. Aber denken Sie an den dreisten Tarifpoker, der rein gar nichts mit besseren Bedingungen für die hart arbeitenden Bahner zu tun hat. EVG und GDL fordern in dieser Tarifrunde nämlich nahezu identische Verbesserungen.

Sie fahren gar nicht 1. Klasse? Egal, ab in einen der schönen Waggons mit den bequemen Sitzen und der Beinfreiheit. Sie sind natürlich nicht so dumm, sich zu setzen, gar ihr Gepäck mitzuschleppen. Nur ein bisschen dort rumstehen, reden, gucken und Premiumatmosphäre genießen. Eigentlich müsste Sie das Zugpersonal zum Gehen auffordern – weil 1.-Klasse-Kunden ja dafür bezahlt haben, komfortabler zu reisen und dabei nicht beguckt werden wollen. Aber das macht kein Bahner gerne. Auch wenn es korrekt ist, kommt das vielen im Zugpersonal kleinlich vor.

Das Ganze kann man noch steigern, wenn man sich bei proppenvollen Zügen frech mit seinem zweitklassigen Ticket in die 1. Klasse setzt. Am besten mit Kind und vorwurfsvollem “Ich-habe-einen-Platz-gekauft”-Blick. Was zweifellos dreist ist. Es kostet das Zugpersonal dann wirklich Überwindung, Sie des Platzes zu verweisen.

“Die Fahrkarten, bitte”

Die Ticketkontrolle naht. Wir haben natürlich nicht bei der Bahn unsere Fahrkarte gekauft, sondern auf einem Onlineportal, L’Tur oder so. Und wir können die E-Mail vorweisen, wonach wir das entsprechende Ticket erworben und bezahlt haben. Nur das Ticket selbst nicht.

Das Zugpersonal ist nun mit der Tatsache konfrontiert, dass Sie nachweislich einen gültigen Fahrschein erworben haben, den aber nicht vorzeigen können.

“Man glaubt gar nicht, wie oft das passiert. Die Leute denken, eine E-Mail-Bestätigung genüge und sei identisch mit einem Ticket. Die anschließende Diskussion mit dem Fahrgast darüber, dass das nicht reicht, ist meist sehr unangenehm”, gesteht unser Bahner. Grundsätzlich ist er im Recht, aber Sie sind der Kunde.

Das Zugpersonal soll Kunden zufriedenstellen, der Kontrollierende wird also versuchen, eine Lösung zu finden. Meist kassiert er Sie dann aber doch noch mal ab. Wenn Sie das nicht wollen, zaubern Sie doch noch irgendwo den Ausdruck des eigentlichen Tickets hervor. Echt übel.

Die Nummer mit der Onlinefalle

Diese Fiesheit funktioniert auch sehr gut beim Onlineticket oder mit Kindern. Beim Onlineticket gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich bei der Kontrolle auszuweisen. Seltsamerweise haben unzählige Fahrgäste immer genau das Dokument, das dafür nötig wäre, nicht zur Hand.

Zugbegleiter sind schrottgenervt, dutzende Mal am Tag die Diskussion zu führen: “Aber sie müssen sich mit dem x oder y legitimieren”, während Sie erklären, den geforderten Perso oder die Kreditkarte nicht dabei zu haben. Am Ende taucht sie natürlich auf.

Die lieben Kleinen – und das Länderticket

Unerquicklich fürs Personal sind außerdem mitreisende Kinder, wenn die nicht auf dem Ticket der Eltern eingetragen sind. Kinder müssen bis zu einer bestimmten Altersgruppe im Fernverkehr der Bahn nichts zahlen, wenn sie mit einem Erziehungsberechtigten reisen. Fehlt auf dem elterlichen Ticket der Hinweis, dass ein Kind mitfährt, ist es ohne gültigen Fahrschein. Der Zugbegleiter muss nun mit Ihnen diskutieren, dass Ihr Kind schwarz fährt und nachzahlen soll, obwohl es kostenlos reist.

Debatten darüber fürchten Zugbegleiter – obwohl sie im Recht sind. Darüber gehen Sie jedoch hinweg, indem Sie den Bahner an seinen Ermessensspielraum erinnern: “Sie könnten ja, Sie wollen nur nicht …” Dieser Spielraum ist eng, aber es gibt ihn.

Für ordentlich Verwirrung kann man derweil im Regionalverkehr bei der Ticketkontrolle mit dem Länderticket sorgen. Auf dem können bekanntlich mehrere Personen fahren. Naht die Kontrolle erklären wir, dass “bei mir mehrere Leute mitfahren”. Nur: Der “Atze is gerade uff Klo”, “die Elfi sucht den Getränkeautomaten” und “Kevin macht mal wieder uff verschollen”. Aber “er hat was Rotes an”.

Der Zugbegleiter kann sich dann die Reisegruppe zusammensuchen, was äußerst unbeliebt ist. Und das hat in der Zeitnot des Personals ihren Hauptgrund.

Zeit ist auch für Bahner Geld

Vor allem im Fernverkehr seht das Zugpersonal ständig unter Zeitdruck. Die Bahner müssen binnen einer bestimmten Frist einen Wagen “abgearbeitet” haben, dazu gehören vor allem die Kontrollen. Unerkannte Informanten, sogenannten Mystery Customer, halten fest, ob der Zeitplan stimmt.

Ist ein Zugbegleiter zu langsam, kann ihn das im schlimmsten Fall neben einer Rüge Teile seiner flexiblen Zulage kosten. Wer das Zugpersonal also ärgern will, lässt sich mit allem so richtig Zeit. Obergemein. Aber will man das eigentlich? Mal ehrlich: Die nervigsten Typen im Zug sind doch fast immer Mitreisende.

“Krieg ich meinen Anschlusszug?”

Aufgrund des Zeitmangels ist auch bei Verspätungen die Frage “erreiche ich meinen Anschlusszug”, gefürchtet beim Zugpersonal. “Kaum fragt einer, kommen gleich vier andere auch noch an. Das wirkt ansteckend”, stöhnt unser Informant.

Nun ist es absolut verständlich, dass Kunden wissen wollen, ob sie pünktlich weiterkommen, doch die Bahner hören Fragen wie diese hundertmal am Tag und verfügen nur über geringe Mittel, das befriedigend rauszubekommen. In aller Regel öffnen sie an ihrem mobilen Gerät ein Programm wie den DB Navigator, der auf jedem guten Smartphone ist.

Die Variante des Zugpersonals hat wenig umfassendere Informationen als wir, er kann kaum einen Bahnkunden in kurzer Zeit zufriedenzustellen. Dann noch den Zugbegleiter bestürmen, der Anschlusszug solle doch bitten warten, steigert den Nervfaktor noch mal deutlich. Denn anders als man denkt, haben Zugbegleiter darauf so gut wie keinen Einfluss.

Ob beispielsweise ein Regionalexpress auf einen verspäteten ICE wartet, hängt nicht von einer imaginären “Rangfolge” der Züge ab oder dem Einsatz “meines Zugchefs”, sondern vom Verkehrsvertrag, den der Besteller des RE, das Bundesland oder der jeweilige Verbund, mit der Bahn abgeschlossen hat. Normalkunden das zu erklären, ersparen sich nahezu alle Bahner lieber.

Es läuft nicht rund mit den Rädern

Sie haben sich derweil entschlossen, das schöne Sommerwochenende mit einer Radtour zu verbringen, die in der Regionalbahn beginnt. “Radmitnahme eingeschränkt möglich”, steht im Fahrplan. Wann die Radabteile dann Samstagvormittag endgültig rappelvoll sind, liegt im Auge des Betrachters. Für die, die schon drinsitzen, geht nichts mehr. Die, die noch rein wollen, sehen noch “jede Menge Platz”.

Das Zugpersonal, das über unzählige Räder stolpert, muss schlichten – ein sich stets an lauen Wochenenden, vor allem in den Großstädten wiederholendes und zermürbendes Prozedere für Bahnmitarbeiter. Selbstredend vertreten wir unsere Position mit Nachdruck.

Wem das nicht reicht, der nervt die Zugbegleiter in den ICEs mit dem Kalauer, doch endlich mal auch hier sein Rad mitnehmen zu wollen. Was zum Glück weiterhin untersagt ist. Stellen Sie sich einen übervollen ICE Freitagnachmittag vor und ein paar dieser militanten Radler, die ihre Gerät am liebsten noch ins Bordrestaurant schleppen würden.

Heiße Sache, prima Klima

Auch sehr beliebt: Stören Sie sich einfach mal an der Temperatur in Ihrem ICE-Großraumabteil. Und bitten den Zugbegleiter, zu kühlen oder einzuheizen. Möglichst gut hörbar. “Denn kaum haben das andere Fahrgäste gehört, ist auch denen schlagartig zu heiß oder kalt. Und sie wollen, dass das abgestellt wird”, verrät unser Bahner.

Vermutlich geht es den Leuten schlicht auch darum, sich nicht von einem anderen Reisenden die Raumtemperatur vorgeben zu lassen. “Wenn man da einem Wunsch nachkommt, kann man ganz schnell 50 Mal rennen, und am Ende sind doch alle unzufrieden”, stöhnt der DB-Mitarbeiter.

Ein einziger Espresso für eine ganz Gruppe

Sie haben also mehrmals eine Korrektur der Raumtemperatur gefordert und ziehen nach Erreichen dieses Ziels ins Bordrestaurant, Quartett spielen oder eine Landkarte ausbreiten. Essen wollen Sie da natürlich nicht. Aber so dumm, dort Ihr Pausenbrot auszupacken, sind Sie auch nicht. Die Bordgastronomen beobachten zunehmend, dass Fahrgäste das Restaurant als eine Art Pausenraum mit mehr Platz sehen.

Den gibt es allerdings nur, wenn man etwas verzehrt. Die Bordrestaurants und das Personal müssen Umsatz machen, also wird es Sie vertreiben müssen, wenn nichts bestellt wird. Das an sich ist schon unangenehm genug, da viele Kunden erstaunlich hartnäckig ohne Speis’ und Trank sitzen bleiben.

Sie sind noch tückischer und halten sich als Gruppe an einem Espresso und einem Wasser fest – dann ist der Bordgastronom machtlos. Blöd für ihn, denn die Restaurants verdienen sowieso schon kein Geld, genau wie die Nacht- oder Autozüge. Wäre die Bahn jene kalte Gewinnmaschine, als die man sie immer wieder darstellt, hätte sie die Bordrestaurants sowie Auto- und Nachtzüge längst allesamt abgeschafft.

Her mit dem Formular, hier und jetzt

Wie die Zeit vergeht im Restaurant – und die Verspätung unseres Zuges ist enorm. Sie suchen das Zugpersonal und verlangen nachdrücklich das Verspätungsformular, um Entschädigung fordern zu können. Das gibt es natürlich auch am Service-Point, aber sicher ist sicher.

Nur: Oft haben die Zugbegleiter beim Durchgang nicht genug Exemplare dabei, sie müssen es holen gehen. Stress pur, wenn mit steigender Verspätung ein Ansturm auf die Formulare einsetzt. Und Sie lassen sich mit dem Hinweis auf den Service-Point nicht vertrösten.

Die Schweiz und der Börsengang

Zuletzt gehen wir den Bahnern mit dem Vergleich der Bahn in der Schweiz, diesem angeblichen Schienenwunderland, noch mal gehörig auf die Nerven. Erstens hinkt der Vergleich dieses Bahnzwergstaates mit dem großflächigen Netz in Deutschland. Zweitens kann das Zugpersonal nun wirklich nichts dafür, dass bei den Eidgenossen manches besser läuft.

Am Ende sorgt ein trotziger Verweis, manches wäre hier besser “ohne eure Börsenpläne” für vollendete Verstimmung. “Börsengang” – immer noch ein Reizwort für das Gros des Zugpersonals, das von dem ehrgeizigen Vorhaben bei Verwirklichung wirklich nichts gehabt hätte.

 

Die Homepage besuchen:

http://www.welt.de/reise/article131933151

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Edinburgh – die Hauptstadt Schottlands

Auf dem Castle Rock überragt Edinburgh Castle die Stadt mit seinen fast 500.000 Einwohnern. Seit dem 4. Jahrhundert war die Burg der Sitz der schottischen Könige und Königinnen, hier tagte auch das schottische Parlament. Im Mittelalter war die Burg der Zufluchtsort der schottischen Regenten. Viele sehenswerte Ausstellungsstücke zeugen von der wechselvollen, teils dramatischen Geschichte zwischen England und Schottland, hier befinden sich die ältesten europäischen Kronjuwelen, die Honours of Scotland. Auf Edinburgh Castle brachte Maria Stuart ihren Sohn zur Welt, der König von England werden sollte, und an dieser Stelle lohnt es sich, noch einmal der Historie der Rivalinnen Elisabeth von England und Maria Stuart nachzugehen.

Die Hauptstadt Schottlands ist ein touristisches Juwel. Im August finden legendäre Festivals statt, wie das “Fringe”- Theaterfestival oder das “Military Tattoo” mit Gästen aus aller Welt. Ein besonderes Erlebnis ist das Sylvester- Event, der viertägige Hogmanay. Ein langer Fackelzug schlängelt sich von der Altstadt bis zum Hügel, begleitet von historisch kostümierten Rittern und vielen Pipers, den Dudelsackspielern.

Museumsfans kommen in Edinburgh auf ihre Kosten: das Museum of Scotland zeigt die Geschichte der Nation, die National Gallerie beherbergt sehenswerte Exponate, und der Palace of Holyroodhouse an der Royal Mile ist auch heute noch Sitz der englischen Königin, wenn sie in Schottland weilt. Dem 300 Jahre alten “Wasser des Lebens” spürt man im Erlebnismuseum der Whiskey- Experience nach.

Die Princes Street ist eine der attraktiven Einkaufsstraßen mit Blick auf die Burg. Boutiken und klassische britische Markengeschäfte wechseln sich mit traditionsreichen Pubs ab, in denen am Abend schottische Lifemusik gespielt wird. Auch das Kaufhaus Harvey Nichols ist mit seinen 5 Etagen einen Besuch wert, das Angebot reicht von Modeartikeln bis zu Haushaltsgegenständen.

In Edinburgh kommen Gäste auch kulinarisch auf ihre Kosten; denn es gibt eine Vielzahl ausgezeichneter Speiserestaurants, wie die “Whitchery”( Hexenhaus) in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Schottische Speisen mit französischer Raffinesse bietet das “Martin Wishart” an, und mit einem Besuch in “The Kitchen Restaurant” am Hafen von Leith lässt sich eine Besichtigung der “Britannia” verbinden.

 

 

URL der Quelle:

http://www.my-destination.net/

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Schiff stößt ungebremst gegen Anleger – 30 Kinder bei Fährunglück auf Nordsee-Insel Amrum verletzt

Ein Schiff mit rund 120 Kindern und mehreren Betreuern ist ungebremst gegen einen Anleger auf der Nordseeinsel Amrum geprallt. Bei der Kollision sind etwa 30 Kinder verletzt worden. Viele andere standen unter Schock.
Bei dem Aufprall der 25 Meter langen „MS Eilun“ seien viele Kinder gestürzt und hätten sich verletzt, sagte der Sprecher der Wasserschutzpolizei Wolfgang Boe. Zehn der neun bis 11 Jahre alten Kinder mussten mit Rettungshubschraubern in ein Krankenhaus nach Niebüll im Kreis Nordfriesland gebracht werden. Fünf Verletzte transportierte der Seenotkreuzer „Vormann Leiff“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in eine Klinik in Wyk auf der Nachbarinsel Föhr. „Zum Glück wurde niemand lebensbedrohlich verletzt“, sagte der Sprecher. Alle hätten ambulant behandelt werden können.
Die meisten Kinder waren laut Feuerwehr in Landschulheimen auf der Insel gewesen.

Technischer Defekt vermutet

Wie es zu dem Unfall im Hafen von Wittdün kam, war den Angaben zufolge noch unklar. Ersten Erkenntnissen zufolge prallte das Schiff ungebremst mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Knoten, also knapp sechs Stundenkilometern gegen den Anleger. „Es handelt sich vermutlich um einen technischen Defekt. Das wird jetzt sorgfältig untersucht“, sagte der Sprecher.

Großalarm ausgelöst

Aufgrund der großen Zahl der Betroffenen lösten die Rettungskräfte auf der nordfriesischen Urlaubsinsel Großalarm aus. Zusätzlich zu dem Rettungsdienst und den freiwilligen Feuerwehren auf Amrum wurden je ein ziviler sowie ein Rettungshubschrauber der Bundeswehr zum Unfallort beordert. Nach Angaben des Polizeisprechers kam zudem ein Seenotrettungskreuzer zum Einsatz, um Verletzte auf die Nachbarinsel Föhr zu transportieren. „Die Notärzte der Insel waren schnell da. Das hat alles reibungslos geklappt“, meinte der Landrat von Nordfriesland, Dieter Harrsen.

Petra Müller, Einsatzleitung der Feuerwehr auf Amrum, erzählte: „Wir waren von der Feuerwehr ungefähr mit 50 Leuten vor Ort.“ An Bord seien mehrere Schulklassen der Jahrgangsstufen vier bis sechs gewesen. „Viele Kinder waren von dem Unfall geschockt und haben geweint. Wir haben versucht, sie zu trösten“, sagte Müller. Viele Schüler seien schließlich mit Bussen wieder in ihre Landschulheime auf der Insel gebracht worden. Die Feuerwehrleute hätten auch bei der Betreuung von Verletzten geholfen. „Wir haben vor einigen Jahren alle einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Das ist uns jetzt sehr zu Gute gekommen“, meinte sie. Read the rest of this entry »

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Gardasee: Die Unterschiede zwischen dem westlichen und dem östlichen Ufer

So, wie sich der südliche und der nördliche Teil des Gardasees deutlich voneinander unterscheiden, so unterschiedlich sind auch die Küstenabschnitte an den beiden Längsseiten des Gewässers. Während das Westufer in Sachen Tourismus und Stranderholung schon früh ein Besuchermagnet war, schwingen sich im Osten die Flanken des Monte Baldo bis auf eine Höhe von mehr als 2.200 Metern hinauf – und locken so Wanderer und Mountainbiker, die auf eher ambitionierte Touren stehen, ebenso an wie Kletterer, die man im Sommer täglich in den steinernen Wänden des riesigen Bergmassivs emporkraxeln sieht. Der „Garten Europas“ nennt man den Monte Baldo auch, aus dem einfachen Grund, da hier viele einzigartige Pflanzengattungen und Tierarten eine Nische gefunden haben. Tiefe Schluchten durchziehen die Region wechseln sich mit sanften Matten, senkrechten Felstürmen und bewaldeten Höhenzügen ab. Die Landschaft geizt also nicht mit ihren Reizen. Wer nur die Aussicht genießen will, die den gesamten Gardasee umfasst und bis hinüber zur Monte Rosa reicht, nimmt in Malcesine die Seilbahn.

Weiter unten, in der Nähe des Ufers, ist es zwar hügeliger als am Westufer, doch schon so lieblich, dass hier mediterrane Nutzpflanzen wie etwa Oliven gedeihen. Die berühmtesten Pflanzen der Region sind jedoch die von der Sonne verwöhnten Trauben in der Ecke von Bardolino, jenem Dorf, das dem bekannten Rotwein seinen Namen gegeben hat. Seit einigen Jahren verstehen sich die Winzer hier auch auf die Herstellung von einem fruchtigen Roséwein, dem so genannten Chiaretto. Read the rest of this entry »

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TÜV Rheinland: Sicher fliegen mit kleinen Kindern nur im geeigneten Kindersitz

Köln (ots) – Flugzeuge sind nach wie vor eines der sichersten Verkehrsmittel. Rund 175 Millionen Menschen starteten oder landeten allein 2011 auf deutschen Flughäfen. Doch wer sich mit kleinen Kindern auf die Reise begibt, sollte in punkto Sicherheit einiges bedenken. Kleinkinder werden in vielen Flugzeugen mit dem sogenannten “Loop Belt” oder “Schlaufengurt” auf dem Schoß der Eltern festgeschnallt. Dieser Zusatzgurt wird in den Beckengurt des Erwachsenen eingefädelt und dann um das Kind herumgelegt. Damit wird das Kind auf dem Schoß des Erwachsenen fixiert. Kritisch, meint Martin Sperber, Luftfahrtexperte bei TÜV Rheinland: “Im Fall von Turbulenzen oder einer Notlandung können durch den Schlaufengurt immense Kräfte auf den Bauchraum der Kinder wirken und schwere innere Verletzungen hervorrufen.” Kinder nicht angeschnallt reisen zu lassen löst das Problem allerdings auch nicht. Tests zeigen, dass es für Eltern unmöglich ist, ihr Kind bei einem Crash festzuhalten – ganz wie im Auto. Read the rest of this entry »

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Deutscher Bundestag: Linke kritisiert Rüstungsforschung an öffentlichen Hochschulen

Berlin: (hib/ROL) Der Markt für Militär- und Rüstungsgüter wächst. Nach Schätzungen des Stockholmer Instituts für Friedensforschung stiegen die Staatsausgaben im Jahr 2011 weltweit auf 1,74 Billionen US-Dollar. Im Ruestungsexportgeschaeft befindet sich Deutschland im weltweiten Vergleich an dritter Stelle hinter den USA und Russland. Forschung und Entwicklung im wehrtechnischen Bereich sind in Deutschland dementsprechend stark ausgeprägt, schreibt die Linke in ihrem Antrag „Keine Ruestungsforschung an öffentlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen – Forschung und Lehre für zivile Zwecke sicherstellen“ (17/9979). Read the rest of this entry »

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