Urlaub in Tunesien: Als arabisches Land zahlen wir einen hohen Preis

Palmen-Idylle mit Kameraüberwachung, Boutiquehotels neben Bettenburgen: Obwohl sich die Lage in Tunesien nach Ausbruch der Revolution in der arabischen Welt recht schnell wieder beruhigte, kämpft das Land bis heute mit den Folgen der Krise – und mit dem Terror des Islamischen Staats, der auf das Land zurückstrahlt.

Auch die Tourismusbranche, die mit 6,5 Prozent einen beachtlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, leidet noch immer unter dem massiven Einbruch der Besucherzahlen. Die Krise zwingt das Land dazu, sich neu zu erfinden.

Vier Jahre nach dem “arabischen Frühling” schürt nun die erste demokratische Wahl eines Präsidenten die Hoffnungen auf den wirtschaftlichen Aufschwung. Die scheidende tunesische Tourismusministerin Amel Karboul über Wachsamkeit, Musikfestivals im Wüstensand und ihren Wunsch, nach dem Berufsurlaub ein Sabbatjahr einzulegen.

Die Welt: In Tunesien begann im Dezember 2010 der “arabische Frühling” mit der Verbrennung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Gerade haben Sie die ersten freien Wahlen abgehalten. Tunesien gilt in der arabischen Welt als Vorreiter in puncto Demokratie. Was haben Sie besser gemacht als die anderen?

Amel Karboul: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen dürfen wir auf eine lange Friedensgeschichte zurückblicken und verzeichnen eine hohe Bildungsrate – vor allem auch bei den Frauen. Zum anderen haben wir starke staatliche Institutionen: Zeigen Sie mir ein zweites Land, in dem am Freitag Revolution ist und die Leute am Montag wieder ganz normal arbeiten gehen – wie nach der Flucht des ehemaligen Präsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011.

Wir standen in der Vergangenheit immer wieder vor Situationen, die zu politischen Machtkämpfen hätten führen können. Doch die Beteiligten haben sich immer für die Demokratie entschieden – und gegen die Macht. Auch wenn das nie einfach war: Es zeigt die Reife, die das Land in den vergangenen Jahren erlangt hat. Das ist, denke ich, der Unterschied zu Ländern wie Libyen oder Syrien.

Die Welt: Dennoch hat der “arabische Frühling” das Land in eine Krise gestürzt. Statt sieben kamen 2011 nur noch 4,8 Millionen Besucher ins Land, der Tourismussektor brach um 40 Prozent ein.

Karboul: Das ist das Paradoxe. Der Gewinner der vergangenen Jahre ist die Demokratie, es gibt aber auch einen Verlierer: die Wirtschaft. Tunesien ist sicherer als manche europäische Großstadt – und war es schon während und auch nach der Revolution. Aber wir haben das einfach schlecht kommuniziert.

Zum anderen ist es das Gesamtbild, auf das der Tourismus sehr empfindlich reagiert: Wenn in Syrien etwas passiert, schlägt sich das auch bei uns in Tunesien nieder. Wir sind Teil der arabischen Welt – und zahlen dafür einen hohen Preis, vor allem im Tourismus. Richtig ist, dass es hier immer wieder zu Demonstrationen kommt, was die Menschen verunsichert. Sie verlaufen aber friedlich und sprechen doch für die Demokratisierung des Landes.

Die Welt: Was hat sich seit der Absetzung und Flucht des Diktators Zine al Abidine Ben Ali 2011 im Tourismussektor verändert?

Karboul: Der Einbruch im ersten Jahr war für uns natürlich ein Schock. Wir spüren die Auswirkungen der Krise bis heute. Die Touristenzahlen steigen nur sehr langsam wieder, und vor allem die klein- und mittelständischen Hoteliers stecken nach wie vor in großen finanziellen Schwierigkeiten, mussten viele Mitarbeiter entlassen.

Es gibt aber auch einen positiven Effekt. In der Krise haben sich viele alternative Tourismuskonzepte zum Pauschaltourismus entwickelt: Boutiquehotels, Pensionen, Weingüter, neue Designlabels, das Streetart-Festival auf Djerba mit 150 Künstlern aus 30 Ländern, spirituelle Wanderungen werden angeboten.

Im Februar findet zum zweiten Mal ein elektronisches Musikfestival in der Wüste statt. Das ist eine ganz neue Energie, die das Land durchströmt. Und Tunesien hat diese kulturellen Schätze – wir haben sie nur nie verkauft.

Die Welt: Ist das das Ende der Bettenburgen?

Karboul: Nein. In den vier Sommermonaten ist der klassische Pauschalurlaub nach wie vor sehr gefragt – vor allem bei Familien und jungen Leuten, die Party machen wollen. 2014 waren wir in der Hauptsaison ausgebucht; und das wollen wir auch in diesem Jahr schaffen.

Aber das Jahr hat eben mehr als nur vier Monate, und die Saisonalität ist ein Problem für Hotels, die nicht selten bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigen. Darum müssen wir Alternativen zum Strandurlaub entwickeln: Natur- und Kulturerlebnisse, Festivals, Yoga. Heute gibt es weltweit eine Milliarde Touristen pro Jahr, in zehn Jahren werden es doppelt so viele sein – das birgt auch für uns großes Potenzial.

Die Welt: Sie haben fünf Jahre in Deutschland gelebt. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Tunesien?

Karboul: Sehr wichtig. Mit mehr als 400.000 Gästen pro Jahr machen die Deutschen einen beachtlichen Teil der Tunesien-Touristen aus. Außerdem sind deutsche Touristen für uns so etwas wie ein Qualitätsmerkmal: Wenn die zufrieden sind, sind meistens auch alle anderen zufrieden.

Die Welt: Gerade ist mit der Wahl von Beji Caid Essebsi die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte Tunesiens geglückt. Was erhoffen Sie sich vom neuen Präsidenten?

Karboul: Wir als Übergangsregierung hatten nach dem Abgang von Ben Ali drei Aufgaben: transparente, faire und sichere Wahlen, die Sicherheit im Land zu erhöhen und Wirtschaftsreformen auf den Weg zu bringen. Ersteres haben wir mit der Wahl von Essebsi erreicht, und auch die Sicherheit ist gestiegen. Diese neue Stabilität ist für den Tourismus enorm wichtig.

Das Schwierigste sind wohl die ökonomischen Reformen. Wir hoffen, dass die Wahl als Ende der Übergangszeit sowohl für Investoren als auch Touristen ein starkes Zeichen dafür ist, dass das Land auf dem richtigen Weg ist.

Die Welt: Essebsi hatte bereits unter dem Autokraten Ben Ali politische Ämter inne. Mit Habib Essid könnte nun außerdem ein hochrangiger Funktionär des Ben-Ali-Regimes neuer Regierungschef werden. Was macht Sie so sicher, dass das Land auf dem richtigen Weg ist?

Karboul: Wir haben in Tunesien heute eine starke bürgerliche Gesellschaft, verschiedene Parteien, freie Medien, transparente und demokratische Wahlen. Und Tunesien braucht alle verfügbaren Kompetenzen, um diese Strukturen aufrechtzuerhalten. Außerdem geht es uns nicht darum, eine gesamte Generation auszugrenzen. Wer Unrecht getan hat, musste sich dafür vor der Justiz verantworten.

Die Welt: 3000 Tunesier haben sich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen – eine Entwicklung, die unter anderem in Form von Drohungen auch auf das Land zurückstrahlt. Wie gehen Sie damit um?

Karboul: Da haben wir eine ganz klare Strategie. Wir haben die Grenzkontrollen massiv verstärkt, schauen genau, wer das Land verlässt und wer kommt, und beobachten die Entwicklung verschiedener Gruppierungen über das Internet. Vor allem Leute, die aus Syrien zurückkommen, beobachten wir sehr genau – und bringen sie notfalls vor Gericht oder in psychologische Betreuung.

Mittlerweile haben wir auch alle Moscheen, die zwischenzeitlich von Extremisten besetzt waren, wieder unter Kontrolle. Sie sind wichtige Orte des intellektuellen Einflusses.

Die Welt: Wie gefährlich ist es zurzeit, in der arabischen Welt zu reisen?

Karboul: Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort für die mehr als 20 arabischen Länder. In Tunesien ist seit der Revolution kein einziger Tourist oder Besucher zu Schaden gekommen. Als Regierung tun wir alles, damit das so bleibt.

Die Welt: Ist Tunesien sicher?

Karboul: Tunesien ist schon seit Jahren sicher, ja.

Die Welt: In den vergangenen Wochen wurden in Tunesien ein Polizist und ein Mitglied der Nationalgarde brutal ermordet. Der scheidende Ministerpräsident Mehdi Jomaâ sagte kürzlich, er betrachte die Situation im Nachbarstaat Libyen als Gefahr für sein Land. Sie sind nicht beunruhigt?

Karboul: Die Situation in Libyen ist natürlich beunruhigend für die Stabilität der ganzen Region. Tunesien ist heute ein Sicherheitshafen für fast zwei Millionen Menschen aus dem Nachbarland. Mit ihren Familien haben Sie hier einen Zufluchtsort gefunden. Welches andere Land der Welt hat denn noch mal 20 Prozent der eigenen Bevölkerung zusätzlich aufgenommen? Und das friedlich und erfolgreich.

Die Welt: Ist Tunesien ein Sicherheitstrakt geworden?

Karboul: Wir haben schon versucht, das diskret zu lösen – mit Kameras an den Hotels zum Beispiel. Härtere Maßnahmen haben wir an der Grenze zu Libyen ergriffen, wo wir die Anlagen mit Toren und Sicherheitstechnik ausgestattet haben. Heute wird dort nicht mehr nur stichprobenartig kontrolliert, sondern wirklich jeder.

Vor den Wahlen und währenddessen gab es auch in den Städten vermehrt Polizeikontrollen. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen sich dadurch aber eher sicherer als verunsichert gefühlt haben.

Die Welt: Wie lange werden Sie diese Sicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten?

Karboul: So lange wie notwendig. Wir bleiben wachsam und beobachten die Lage kontinuierlich – auch in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie Deutschland oder Algerien.

Die Welt: Können Sie sich vorstellen, Ihre Funktion als Tourismusministerin auch unter dem neuen Präsidenten fortzusetzen?

Karboul: Wenn man mich fragt, dann würde ich es dann kontextabhängig entscheiden. Am liebsten würde ich jetzt allerdings, um ehrlich zu sein, mal ein Sabbatjahr einlegen – meditieren, Sport machen, mir die Zeit für Familie und existenzielle Fragen nehmen. Ich bin erst 41 Jahre alt – jung genug, um auch später noch mal in die Politik zurückzukehren.

Die Welt: Wo machen Sie Urlaub?

Karboul: Früher auf Djerba – meine Eltern und Großeltern leben hier. Weihnachten und Neujahr verbringe ich aber gern im sonnigen Südafrika, sonst finde ich auch Asien spannend. Seit ich Tourismusministerin bin, habe ich allerdings keinen Urlaub mehr gemacht. In diesem Amt ist man nie im Urlaub: Die Leute wollen mit einem immer über die Arbeit sprechen. Vielleicht muss ich mal woanders hinfahren.

Die Welt: Nach Deutschland zum Beispiel.

Karboul: Zum Beispiel – aber nicht im Winter. (lacht)

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Euro und Schweizer Franken: Wenn das Reisebudget durch die Finger rinnt

  • Mit dem Ende des Euro-Mindestkurses für den Schweizer Franken droht Touristen eine weitere spürbare Teuerung bei Besuchen im Alpenland.
  • Die Branche reagiert schockiert auf die Entscheidung der Nationalbank.
  • Besonders der Schweizer Wintertourismus steckt bereits seit Längerem in einer Krise.
  • Dass in den vergangenen Jahren viele Gäste ausblieben, führen Experten allerdings nicht nur auf die Preise zurück.
Von Charlotte Theile, Zürich, und Irene Helmes

Urlaub in der Schweiz ist kein Schnäppchen – das wussten EU-Bürger schon. Doch durch eine überraschende Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank dürften sich die Kosten regelrecht dramatisieren. Diese hat den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Innerhalb der ersten Stunden nach Bekanntgabe verteuerte sich die Schweizer Währung um mehr als 15 Prozent. So verliert das Reisebudget ausländischer Touristen spürbar an Wert. Wie sich der Wechselkurs in Zukunft verhält, ist zwar offen. Für den Fremdenverkehr in der Schweiz ist ein Kurssprung des Franken jedoch eine weitere schlechte Nachricht in Zeiten eines schweren Konkurrenzkampfs im Alpenraum.

In einer Pressemitteilung sprach der Schweizer Tourismus-Verband am Donnerstag von einem bedauernswerten Schritt der Nationalbank “aus heiterem Himmel”, der “für den nicht auf Rosen gebetteten Tourismus schwer zu verdauen” sei. Man müsse nun weiter konsequent auf Innovation und die Stärkung des Images des Landes setzen. Der Chef des Schweizer Uhrenunternehmens Swatch sah in einer ersten Reaktion schwarz und sprach von einem “Tsunami, sowohl für die Exportindustrie als auch für den Tourismus und letztendlich für das ganze Land”. Branchen-Sprecherin Daniela Bär beklagte einen “schwarzen Tag für den Schweizer Tourismus” und gab die Losung aus: “Schweizer, macht Ferien in der Schweiz!”.

Franken Schlecht für die Schweiz, gut für die Nachbarn

Die Zentralbank gibt den Franken frei. Wem schadet die Entwicklung? Und wer profitiert davon? Fragen und Antworten

Schon vor diesem Schock ging es etwa den Skiliften – ausgerechnet zum 150-jährigen Jubiläum des Schweizer Wintersports – alles andere als gut. Obwohl sie auch in der Saison 2013/2014 einige Millionen Menschen auf die Piste transportiert haben. 23,9 Millionen Skitage, sechs Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor, verzeichneten die Skigebiete. Sieht man sich die langfristige Entwicklung an, ist das Ergebnis noch eindeutiger: In der Saison 2008/2009 gab es noch 29,3 Millionen Skitage, fast 19 Prozent mehr als im vergangenen Winter.

Dieses schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren erklärten sich die Schweizer Bergbahnen in ihrem Jahresbericht zwar auch durch den warmen Winter und den Trend zu Schneesportarten, für die man keinen Lift braucht. Der wichtigste Grund für die Krise dürfte aber ein anderer sein: Die Schweiz als Urlaubsland war schon vor der heutigen Nachricht zum Wechselkurs zu teuer.

Etwas mehr als 69 Franken – zum bisherigen Kurs etwa 57 Euro, am Donnerstagnachmittag zwischenzeitlich sogar 67 Euro – kostet eine Tageskarte in den Schweizer Top-Winterskiorten derzeit durchschnittlich. In den angrenzenden Ländern – Italien, Frankreich und Österreich – liegen die Spitzen-Skigebiete unter 50 Euro. Viele Wintersportler sind deshalb in den vergangenen Jahren in die benachbarten Alpenregionen abgewandert: Seit 2003 wuchsen die günstigeren Konkurrenten, zu denen auch Deutschland gehört, jedes Jahr um durchschnittlich 0,4 Prozent. Die Schweiz verlor im gleichen Zeitraum fast zwei Prozentpunkte.

Touristen aus nahegelegenen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden entscheiden sich immer seltener für einen Urlaub in der Schweiz. Besonders die Deutschen, die im Jahr 2008 noch mehr als sechs Millionen Übernachtungen in Schweizer Hotels buchten, halten sich zunehmend zurück: 2013 waren es 1,7 Millionen Übernachtungen weniger als 2008.

Skigebiete für Alpinfahrer, Langläufer, Rodler Weiß für alle

Die großen Skiarenen wetteifern um jeden Pistenkilometer – doch es geht auch anders: Diese fünf Wintersportgebiete bieten, was das Herz von Skifahrern, Langläufern, Tourengehern oder Rodlern begehrt. Alles in einem.

Wegen hoher Löhne und hoher Investitionskosten konnte die Schweiz schon bisher über den Preis kaum mit den Nachbarländern konkurrieren. Der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, versuchte dies vor Kurzem zu relativieren: “Die Schweiz war nie billig und wird es wohl auch nie sein. Entscheidend ist, dass sie den Preis wert ist.”

Doch genau daran kamen in jüngster Zeit immer mehr Zweifel auf. Während im Nachbarland Österreich in den vergangenen Jahren viel Geld in neue Lifte, Beschneiung und Hotels gesteckt wurde, wagen sich die Schweizer Hotels und Skigebiete erst jetzt an Investitionen. Viele konkurrierende Ziele in Bayern, Österreich oder Südtirol haben aufgeholt, indem sie zum Beispiel moderne Lifte und bessere Pisten bereitstellten.

Andreas Keller, Sprecher der Schweizer Seilbahnen, nannte schon vor Monaten einen weiteren Grund für die Schwierigkeiten: den starken Franken. Seit 2008 sei die Schweiz allein durch die Schwäche des Euro bis zu 20 Prozent teurer geworden. “Dieser Effekt ist für uns doppelt negativ: Für EU-Bürger sind wir teurer – und für die Schweizer sind die Ski-Gebiete in der EU billiger.” Genau diesen Trend dürfte die Wechselkursfreigabe nun noch weiter verstärken.

Bei den Übernachtungen waren die Zahlen des vergangenen Schweizer Winters immerhin etwas besser als beim Skisport: 15,6 Millionen Logiernächte konnten die Hotels in der Saison 2013/2014 verzeichnen. 2009/2010 waren es zwar noch 15,9 Millionen – doch nach dem Tiefstand von 15,2 Millionen 2011/2012 ging es zuletzt langsam wieder bergauf. In der Saison 2013/2014 lagen die direkten Einnahmen des Schweizer Wintertourismus bei etwa 14 Milliarden Franken, das entspricht den Jahren davor. Allerdings gibt es einen Trend zum Sparen: Bei den Schweizer Jugendherbergen stieg die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr besonders stark. Wintertrends wie Wellness-Urlaub, Schneeschuhlaufen und Winterwandern werden immer beliebter – doch auch sie sind vor einer ungünstigen Entwicklung des Wechselkurses nicht gefeit.

Wintersport in den Alpen Wer hat’s erfunden?

Die Schweizer feiern in dieser Saison 150 Jahre Wintertourismus. Zu Recht? In Österreich macht man ihnen das Jubiläum streitig. Weil sich Tradition gut verkauft, deutet jeder die Geschichte für sich.

Trotz allem erklärte Tourismusdirektor Jürg Schmid zu Anfang dieses Winters, der Schweizer Wintersport sei im Jahr seines 150-jährigen Jubiläums in einer “hervorragenden Situation”. Gerade Hotels mit vier Sternen seien stark gefragt – 2013 konnten diese um mehr als elf Prozent zulegen. Es gebe eine Vielzahl an Innovationen und Investitionen, die das Land auch in Zukunft attraktiv machen würden.

Der Paukenschlag zum Wechselkurs könnte allerdings noch mehr Urlauber vor die Frage stellen, ob ihnen all das den Preis tatsächlich wert ist.

Tipps für die Alpen Die schönsten Orte im Winter

Es soll ja Menschen geben, die nichts mit der kalten Jahreszeit anzufangen wissen. Dabei gibt es so viele Orte, an denen der Winter Spaß macht. Wir stellen unsere Favoriten in den Alpen vor.

 

Adresse der Quelle:

www.sueddeutsche.de

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Sonntag Aktuell Touristikpreis 2015: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für Themenreisen ausgezeichnet

Hamburg (ots) -

 - Sonntag Aktuell zeichnet kreative Reiseideen aus - Themenreisen "Fußball Weltmeisterschafts-Talks" von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten prämiert 

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gehört zu den am 18. Januar veröffentlichten Gewinnern des Sonntag Aktuell Touristikpreises 2015. Ausgezeichnet wurde das Themenreisen-Programm am Beispiel der “Weltmeisterschafts-Talk Reisen” zur Fußball-WM im vergangenen Jahr. Auch 2016 zur Europameisterschaft wird dieses erfolgreiche Format an Bord der EUROPA und EUROPA 2 wiederholt.

Mit dem Touristikpreis zeichnet Sonntag Aktuell jährlich Veranstalter und Touristikbüros für ihre kreativen Reiseideen aus. In diesem Jahr stimmten über 4.000 Leser über die zwölf von der Redaktion vorgeschlagenen Konzepte ab und schlussendlich wurden drei Gewinner gekürt. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erhält die Auszeichnung in der Kategorie “Unterwergs-Reisen” für das Themenreisen-Programm am Beispiel der “Weltmeisterschafts-Talk Reisen” zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im Sommer 2014. Während der WM-Zeit analysierten an Bord der EUROPA und EUROPA 2 auf ausgewählten Reisen unter fachkundiger Leitung von Jochen Sprentzel und Jörg Wontorra Vereinsmanager, ehemalige Nationalspieler oder Schiedsrichter die Spiele und diskutierten mit den Gästen über Spielsituationen, Platzverweise und Schiedsrichterentscheidungen. Aktionen wie eine WM-Lounge, Torwandschießen oder auch kulinarische Begleitungen zu den Spielen rundeten das Programm ab.

Auch zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich können sich die Gäste wieder auf die Weltmeisterschafts-Talk Reisen freuen. An Bord der EUROPA und EUROPA 2 wird es auch dann auf ausgewählten Reisen spannende Talkrunden und Spielanalysen mit namhaften Experten geben.

Ebenfalls zum Programm der Themenreisen an Bord der Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Schiffe gehören unter anderem Familienreisen, Golfkreuzfahrten, Gourmet- und Musikreisen oder auch Studienreisen.

 

Original-Artikel:

http://www.presseportal.de/pm/22469/2929161

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Billigflieger auf Expansionskurs: Ryanair will Nummer zwei in Deutschland werden

Düsseldorf – Europas größter Billigflieger Ryanair will die Lufthansa auf deren Heimatmarkt angreifen und Air Berlin vom zweiten Platz verdrängen. “Derzeit haben wir einen Marktanteil von rund vier Prozent in Deutschland, in den nächsten drei bis vier Jahren streben wir eine Steigerung auf 15 bis 20 Prozent an”, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary dem “Handelsblatt”.

Damit lägen die Iren bei der Zahl der Starts zwar noch weit hinter Marktführer Lufthansa und dessen Billigtochter Germanwings, die auf der Kurz- und Mittelstrecke einen Marktanteil von knapp 50 Prozent halten. Sie rückten aber Air Berlin auf den Deutschland- und Europastrecken auf die Pelle, die Airline hat dort einen Anteil von über 20 Prozent.

Vor der neuen Billigstrategie der Lufthansa zeigte O’Leary keine Angst. “Da treffen sich Ingenieure und Doktoren in Frankfurt und beschließen am grünen Tisch, dass sie einen Billigflieger gründen. Das reicht aber nicht.” Auch die neuen Töchter – gemeint sind Germanwings und die neue Billigplattform Eurowings – hätten die hohe Kostenstruktur des Mutterkonzerns. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verspricht sich von Eurowings hingegen um 40 Prozent geringere Stückkosten.

Ryanair drängt nach München

Hatte Ryanair bislang vor allem auf kleinere Flughäfen abseits von Großstädten gesetzt, will O’Leary künftig verstärkt größere Flughäfen ansteuern. “Wir reden derzeit mit acht deutschen Flughäfen, davon vier bis fünf Großflughäfen, die noch nicht zu unserem Netz gehören.” Diese böten nun “satte Rabatte” an, um von Ryanairs Wachstum zu profitieren. Mit der veränderten Strategie will die Airline auch mehr Geschäftsreisende gewinnen.

Von April an werden die Iren Stuttgart anfliegen, der Flughafen Fuhlsbüttel in Hamburg steht bereits im Flugplan. “Wir kommen in alle eure größeren Flughäfen außer Frankfurt”, hatte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs im Dezember in der “Wirtschaftswoche” angekündigt – und namentlich den Münchner Flughafen genannt. Dort könnte es nach Aussage des Flughafensprechers aber schwierig werden, Slots zu bekommen.

Eigenes Vergleichsportal für Flugpreise

Den Umbau von Ryanair will O’Leary in den kommenden Monaten forcieren. Die Gesellschaft solle zu einem “Amazon der Lüfte in Europa” werden. Voraussichtlich im März will er eine Website starten, die auch die Angebote der Wettbewerber auflistet. So sollten Kunden die Ticketpreise vergleichen können, ohne Preisvergleichsportale nutzen zu müssen.

Die Äußerungen von O’Leary im “Handelsblatt” haben den Börsenkurs der Lufthansa am Dienstagnachmittag etwas belastet. Der Billigflieger-Chef sei zwar als Lautsprecher bekannt, habe bislang aber seinen Worten Taten folgen lassen, sagte ein Händler Am Montag hatte ein kräftiger Passagierzuwachs im Dezember die Ryanair-Titel auf ein Rekordhoch getrieben. Verbesserter Service und günstigerer Ticketpreisen haben die Billigairline wohl attraktiver gemacht.

 

Die Homepage besuchen:

www.spiegel.de

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TUI stellt sich auf Währungswechsel in Athen ein

Kaum jemand erinnert sich noch an Andreas Andreadis, der 2011 für einige Tage die deutschen und griechischen Schlagzeilen beherrschte. Der Präsident des griechischen Tourismusverbandes hatte damals im Brustton der Überzeugung erklärt: “Kein griechischer Hotelier wird sich darauf einlassen.” Womit er auf eine Euro-Währungsklausel anspielte, die Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI in die Verträge aufnehmen wollte, um sich bei einer Rückkehr zur Drachme gegen Wechselkursverluste zu wappnen.

Andreadis sollte sich irren. Heute, vier Jahre später, verfolgt die TUI die von der Bundesregierung forcierte Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gelassen. Man sei auf jegliche Währungsereignisse eingestellt. Die Verträge seien inzwischen derart gestaltet, dass Verbindlichkeiten immer in Euro zu zahlen seien, sagte ein TUI-Sprecher gegenüber der “Welt”.

TUI baut Marktführerschaft aus

Er bestätigte zugleich, dass die neue Währungsklausel für Verträge mit Hoteliers aller europäischen Länder gelte, mit denen die TUI Geschäfte macht. 2011 hatte der damalige TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher nur die griechischen Unternehmer in die Pflicht nehmen wollen, nicht jedoch die spanischen, italienischen oder portugiesischen, was die Empörung in Athen ob der Ungleichbehandlung noch befördert hatte.

In der Zwischenzeit haben sich die Wogen geglättet, und das auch deshalb, weil die TUI das Versprechen, ihre Marktführerschaft bei den Hellenen auszubauen, trotz ihrer anhaltenden Streiklust gehalten hat. So ist die Zahl der in den Griechenland-Katalogen gelisteten Hotels von 281 im Jahr 2011 auf 452 in der Sommersaison 2015 gestiegen.

Im gleichen Zuge erhöhte der Veranstalter auch die Zahl der Flugsitze. “Gegenüber dem Vorjahr haben wir das Kontingent von TUIfly um zehn Prozent aufgestockt”, so der Sprecher. Die TUI ist davon überzeugt, dass ein großer Teil der deutschen Reisenden, die den nordafrikanischen und arabischen Raum wegen der anhaltenden Unruhen meiden, auf Griechenland ausweicht.

Und weil unter diesen “Neuzugängen” vermutlich viele jüngere Urlauber seien, will der Veranstalter “mehrere moderne Hotels aus den Reisewelten ‘TUI Scene’ und ‘TUI Lifestyle’ auf Kreta, Kos, Korfu sowie auf dem Westpeloponnes eröffnen: “Wir glauben, dass die Region Chania auf Kreta Trendziel Nummer eins in diesem Jahr wird.”

Währungsvorteile für Urlauber

Vorsichtiger äußerte sich der Unternehmenssprecher zu den Folgen eines Euro-Ausstiegs – er heißt im euphemistischen Neusprech nun “Grexit” – für die Urlauber. So hatte der frühere TUI-Deutschland-Chef Böttcher 2011 zugesichert, dass die TUI Währungsvorteile, die sich durch eine wahrscheinlich sehr viel schwächere Drachme ergäben, an ihre Kunden weiterreicht: “Sollten durch eine Drachmen-Währung die Reisepreise günstiger werden, würden die Vorteile weitestgehend – oder man kann sagen eins zu eins – weitergegeben.” Das heißt, die Kosten für Griechenland-Reisen sinken.

Demgegenüber heißt es heute aus TUI-Kreisen lediglich: “Selbst wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen sollte, hätte das für unsere Gäste keine Auswirkungen auf ihre gebuchte Reise. Die veröffentlichten Preise gelten weiterhin.”

Zwar vermutet man auch heute, dass “ein Euro-Ausstieg eine Abwertung der neuen griechischen Währung gegenüber dem Euro zur Folge hätte”. Allerdings wird in diesem Zusammenhang im Statement lediglich von verringerten Nebenkosten gesprochen: “Dann würden Lebensmittel, Getränke und Eintritte für Sehenswürdigkeiten noch günstiger als bisher.”

 

Originalbeitrag lesen:

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Hostels und Jugendherbergen: Wo Skifahrer günstig übernachten

Der Schnee ist da, endlich! Seit Weihnachten rieselt es. Wer wie ich kurzfristig über die freien Silvestertage in die Berge wollte, ist beim Blick auf die Preise für das kurzfristige Skivergnügen allerdings aus den Bindungen gekippt.

Denn über Silvester kurzentschlossen in den Schnee zu reisen, kommt preislich gesehen einem Sabbatical in der Karibik gleich. Glückwunsch an alle, die sich rechtzeitig über Neujahr in den Bergen eingebucht haben.

Mit ein bisschen Insiderwissen muss auch spontaner Winterspaß nicht teuer sein. Denn man kann in den Alpen durchaus günstig nächtigen.

In Saas Fee zum Beispiel hat diesen Winter das Wellness Hostel 4000 eröffnet, eine futuristische Herberge mit angeschlossener Saunawelt und Preisen wie im letzten Jahrhundert. Bereits ab 40 Euro pro Nacht kann man dort einchecken, Frühstück inklusive. Gut, dafür teilt man sich das Zimmer mit fünf Leuten und duscht auf dem Gang. Intimität kostet extra: 130 Euro zahlt man für ein Doppelzimmer mit allem Schnick und Schnack – aber für Saas Fee bleibt das trotzdem ein Schnäppchen.

Überhaupt sind Hostels und Jugendherbergen gute Orte für die Nächte zwischen zwei Skitagen. In vielen Häusern in der Schweiz (www.youthhostel.ch) und Österreich (www.oejhv.at) übernachtet man in Zwei- bis Vierbettzimmern, einige Herbergen haben sogar Doppelzimmer mit eigenem Bad. Und oft Top-Lagen.

Das Youthpalace in Davos zum Beispiel ist ein ehemaliges Kurhaus und liegt nur einige Gehminuten von der Parsennbahn entfernt. Von der Terrasse aus hat man einen tollen Blick auf Bergpanorama und Wolfgangsee. Die Jugendherberge in Valbella-Lenzerheide liegt sogar direkt an der Piste.

Die Jugendherberge in Zermatt zählt mit ihrem futuristischen Anbau zu den modernsten in Europa. Mit etwas Glück schaut man hier sogar vom Bett aufs Matterhorn.

Und wer gerne mal gucken will, wie Stars und Sternschnuppen urlauben, kann in der Jugendherberge St. Moritz einchecken. Das Hostel liegt so zentral im Ort, dass man den Menschen in Pelzmänteln vom Zimmer aus zuprosten kann. Und wer mehr als eine Nacht bleibt, zahlt für den Skipass für die Skigebiete in St. Moritz nur 35 Franken (29 Euro) pro Tag.

Auch die Österreicher wissen, wie man uns Skifahrer günstig auf den Berg bringt. Das Haus Seespitz in Zell am See zum Beispiel hat einen Top-Skibus-Anschluss – nicht nur an das Skigebiet Kaprun.

Nett ist auch die Jugendherberge Innsbruck: Gleich drei Skigebiete sind von dort per Bus zu erreichen – und zum Après-Ski liegen zahlreiche Bars und Restaurants um die Ecke. Und die Jugendherberge Heiligenblut liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern an der Skipiste.

Zur Person

  • Louis Hermic

    Das Skifahren hat Stéphanie Souronschon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen – inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer kein Lösung.

    Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und alles, was im Winter draußen Spaß macht.

Artikel-Quelle:

www.spiegel.de/reise

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Contra Lateinunterricht: Warum Latein als Schulfach überflüssig ist

  • In Nordrhein-Westfalen erwägt man, angehenden Sprachlehrern keine Lateinkenntnisse mehr abzuverlangen.
  • Die Grundlagen, die Latein für moderne Fremdsprachen legt, werden überschätzt.
  • Das kulturelle Erbe der Antike ließe sich im Geschichtsunterricht besser vermitteln.
Kommentar von Roland Preuß

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis – die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen. Das Latein hat viele Sinnsprüche zu bieten, dieser aber trifft in hübscher Ironie auf die Sprache selbst zu. Latein ist auf dem Rückzug, zumindest was die Universitäten angeht. Immer mehr Landesregierungen und Fakultäten kommen zu der Überzeugung, dass ein Studium auch ohne Latein seriös zu stemmen ist, so wie es sich derzeit in Nordrhein-Westfalen anbahnt. Dort erwägt man, angehenden Sprachlehrern keine Lateinkenntnisse mehr abzuverlangen. Dieser Trend wird nicht ohne Folgen an den Schulen bleiben.

Die Zahl der Schüler, die sich mit Ablativ und Deponentien befassen (müssen), ist zwar gestiegen. Das darf man aber nicht missdeuten als eine wachsende Popularität der Sprache. Es streben einfach mehr Schüler eines Jahrgangs das Abitur an und damit bleibt ihnen oft gar nichts anderes übrig als Latein zu lernen – es zählt vielerorts zum Pflichtprogramm.

Pro Lateinunterricht Warum Latein als Schulfach bleiben muss

Latein ist Basis vieler moderner Sprachen, ein Fenster zur Kultur. Auch wenn in manchen Bundesländern die Lateinpflicht für Lehramtsstudenten fällt, bleibt Latein für Schüler ein “Lernfach” im besten Wortsinne. Pro und Contra Latinum

Die gestiegene Zahl der Lateinschüler wirft umso dringender die Frage auf, ob der zentrale Stellenwert des Fachs noch zeitgemäß ist. In Bayern zum Beispiel muss man nicht nur im humanistischen Zweig Latein belegen, auch am musischen und an vielen naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasien kommt man spätestens ab der 6. Klasse nicht um das Fach herum.

Dabei ist Latein nicht nur ein Fach unter vielen, oft ist es das Fach, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. So zumindest erlebte es der Autor dieser Zeilen, dessen Mitschüler am Gymnasium in erster Linie anhand schlechter Lateinzensuren aus der Bahn zum Abitur geworfen wurden. Statistisch belegt ist das nicht, es existieren dazu keine offiziellen Zahlen. Dennoch ist die Frage erlaubt: Ist es das Wert?

Ja, sagen die Befürworter des Latein und führen eine Reihe von Gründen an. Schlagend sind diese jedoch nicht, wie ein näherer Blick auf die Argumente zeigt:

1. Latein ist unverzichtbar für bestimmte Studienfächer.

Das ist sicher richtig für Alte und Mittelalterliche Geschichte, für Theologie und einige andere Fächer. Wer sich wissenschaftlich mit lateinischen Texten auseinandersetzt, muss die Sprache beherrschen. Die nötigen Kenntnisse lassen sich allerdings auch während des Studiums nachholen, die Unis bieten eigene Kurse dazu an. Mitunter tut es schon ein Lehrgang über die nötigen lateinischen Fachbegriffe, etwa in der Medizin. Zudem ist Latein – siehe oben – an den Unis auf dem Rückzug.

2. Latein ist nötig, um Deutsch, aber auch um Fremdsprachen richtig zu lernen.

Im Umkehrschluss müsste man all jenen Schülern, die auf Latein verzichten, unterstellen, dass sie nie richtig Deutsch lernen können. Nach dieser Logik müssten die Schüler in Sachsen-Anhalt oder Thüringen in bundesweiten Leistungstests weit abfallen gegenüber ihren bayerischen Altersgenossen, weil im Osten deutlich weniger Jugendliche Latein lernen als im Süden. Das ist aber nicht der Fall.

Der Weg zu gutem Deutsch muss nicht über Latein führen, auch andere Fremdsprachen und sogar guter Deutschunterricht können behilflich sein. Ähnlich verhält es sich mit Fremdsprachen: Eine Studie von Ludwig Haag und Elsbeth Stern kam 2002 zu dem Ergebnis, dass Studenten mit Französischkenntnissen leichter Spanisch lernten als Studenten mit gleichwertigen Lateinkenntnissen. Latein wird überschätzt. Warum also nicht gleich die lebendige Sprache erlernen?

3. Latein ist unverzichtbar für eine umfassende Bildung.

Natürlich kann man fragen: Was bleibt den meisten vom Lateinunterricht außer ein paar Sinnsprüchen wie “Audaces fortuna adiuvat” (Den Tapferen hilft das Glück)? Und auch die sind nicht immer rasende Geistesblitze. Sicher, dies greift zu kurz. In der römischen (und griechischen) Antike wurzelt die westliche Kultur, sie brachte literarische, rhetorische und philosophische Meisterwerke hervor, die bis heute Gewicht haben. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass der Lateinunterricht diese Wurzeln auch vermittelt.

In den ersten Jahren ist dies schon vom Sprachniveau her unmöglich, sie vergehen zwangsläufig mit Grammatik- und Vokabelpauken. Der Unterricht wird stark durch Übersetzungstechnik bestimmt, es gibt bis zur Oberstufe kaum Gelegenheit, einen Cicero oder Catull-Text philosophisch und historisch zu durchdringen. Dieses antike Erbe lässt sich auch an anderer Stelle vermitteln, sei es im Fach Geschichte, sei es durch die Lektüre von Übersetzungen. Die Entscheidung darüber, wie viel Latein noch zeitgemäß ist, ist eine Entscheidung darüber, welche Bildung noch zeitgemäß ist.

Die Welt und der Bildungskanon haben sich geändert

Wer auf Latein beharrt, blockiert faktisch andere, neue Inhalte. Bessere Alternativen gibt es genug: Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch oder Italienisch. Damit würde man dem Leben in der EU gerecht, in dem sich die Bürger millionenfach über Grenzen hinweg austauschen. Diese Sprachen öffnen zudem eigene, gewichtige literarische und philosophische Welten. Hat uns eine Isabel Allende in ihrem Roman “Geisterhaus” heute nicht mehr zu sagen als Caesar in “De bello Gallico”? Fällt ein Jean-Jacques Rousseau im Original tatsächlich ab gegenüber einem Tacitus?

Eine Reduzierung des Pflichtlatein in Schule und Universität hat nichts damit zu tun, Bildung nach dem Nutzwert auszurichten. Es hat damit zu tun, dass sich der Bildungskanon ändert mit der Welt da draußen vor der Schule. Das haben auch die Römer schon gewusst: Non scholae, sed vitae discimus, heißt es – Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

Fakten zum Latinum Latein zwischen Blüte und Verfall

Nach Plänen der Regierung in Nordrhein-Westfalen soll der Nachweis des Latinums für alle Lehrer entfallen, seitdem tobt bundesweit ein Grundsatzstreit. Einige Fakten zur Rolle der alten Sprache in Schulen und Universitäten.

Seite besuchen:

www.sueddeutsche.de/bildung

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Entlang des Hadrianswalls: Vergesst den Jakobsweg!

Immer an der Wand lang: Das steinerne Band des Hadrianswalls zog sich zu Zeiten der Römer über die britische Insel. Die Christen sorgten dann dafür, dass Carlisle auch Kirchenmauern bekam.

Ein Paar, ein Pudel, mehr war mir auf dem Weg nach oben nicht begegnet. Das Paar grüßte freundlich, der Pudel sah hochmütig an mir vorbei, als ich vom Parkplatz aus am Teich entlang und schließlich den Waldweg hinauf lief.

 

Ein Schild warnte mich davor, über Zäune zu klettern, in Tümpeln zu schwimmen oder Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Mit all dem konnte ich leben: Die Kinder waren zu Hause geblieben, zum Schwimmen war es zu frisch, und über Zäune muss ich nicht, solange es Wege gibt. Während ich noch stieg, immer weiter über eine feuchte Wiese, die allmählich vom satten Grün ins Fahle wechselte, wurde der grauviolettfarbene Himmel größer und der Abgrund an meiner linken Seite steiler.

Was ins Tal gehörte, blieb auch im Tal, kein Auto ließ sich hören, kein Vogel, keines der Schafe von den Weiden beiderseits der Straße. Nur der Wind zog laut über die Wiese mit den krummgewehten Bäumen, über die Findlinge und die aufgeschichtete Steinmauer, die spektakulär auf der Kuppe des Bergs von West nach Ost verläuft, in Senken verschwindet und wieder auftaucht, manchmal majestätisch, manchmal geradezu diskret. Ein Band aus akkurat behauenen Steinen, das sich so sanft an den Berg schmiegt, als sei es schon immer da gewesen.

 

Die Mauer, die Albträume fern hält

Oder schon sehr lange. Den Hadrianswall errichteten die Römer in den Jahren 122 bis 128 nach Christus, um das nördliche Ende ihres Reichs zu sichern. Heute verläuft ungefähr hier die Grenze zwischen England und Schottland, und wenn im September die Abstimmung zur schottischen Unabhängigkeit anders ausgegangen wäre, dann träfe man vielleicht inzwischen Patrouillen auf dem Wall. Oder jemand würde die mächtigen Tore wieder aufbauen, mit denen früher der Weg zwischen Nord und Süd kontrolliert wurde.

Dass ich nun hier war, hängt mit einem dieser Tore zusammen. Zu den stärksten Eindrücken meiner Lektüre von „Prinz Eisenherz“ gehört eine Szene, in der Eisenherz, im wilden Norden unterwegs und verfolgt von den blau angemalten Pikten, erschöpft und blutend am Wall ankommt. Eigentlich sollte hier niemand mehr sein, schließlich waren die Römer zu Eisenherz’ Zeiten schon aus England verschwunden, inzwischen herrschte hier König Artus.

Aber irgendjemand, so jedenfalls erinnere ich mich an die Szene aus dem Comic, nimmt Eisenherz am Schlafittchen, zerrt ihn durch das Tor und schlägt es hinter ihm zu. Die Erleichterung des Prinzen über die fabelhaft dicke Mauer, die all die Albträume aus dem Norden fernhält, übertrug sich damals sofort auf mich.

 

Die Stadt die auf Camelot steht

Wer von London aus mit dem Zug zum einst 113 Kilometer langen Hadrianswall kommen will, kann beispielsweise nach Newcastle fahren, kurz vor der Mündung des Flusses Tyne in die Nordsee, und dann quer durchs Land nach Westen. Es gibt eine Straße südlich des Walls, die schon von den Römern benutzt wurde, und es gibt eine Eisenbahnlinie, die parallel dazu verläuft, einige Kilometer vom Hadrianswall entfernt.

Ich nahm die andere Richtung und steuerte Carlisle an der englischen Westküste an, schon weil die Stadt im Verdacht steht, eigentlich auf den Trümmern von König Artus’ Burg Camelot erbaut zu sein – Eisenherz’ Arbeitsplatz. Der Schnellzug von London nach Glasgow braucht bis Carlisle etwa dreieinhalb Stunden. Die Strecke führt direkt nach Norden, und im November bedeutet das: Der Tag altert noch schneller als sowieso schon.

 

Städte aus der Geschichte – nur in echt

Der Zug fuhr ins Graue, der feine Regen begleitete uns knapp zwei Stunden lang, und so lange hielten wir an keinem Bahnhof. Dann tauchte am Himmel ein orangefarbener Streifen auf. Die Häuser wurden weniger, die Wiesen und Weiden mehr, abgegrenzt zunächst durch sorgfältig geschnittene niedrige Hecken und später durch gepflegte Steinmauern, die angeblich aus den Überresten römischer Kastelle und Villen erbaut wurden.

Nur die Schafe, die starr der Eisenbahn nachsahen, blieben sich gleich. Wir hielten in Lancaster, das es also wirklich gibt, nicht nur in den Rosenkriegen, aber York gibt es schließlich auch, dachte ich. Die Irische See blitzte links auf und verschwand wieder, es ging durch Hügel und Heide, und dann war plötzlich Carlisle da.

 

Bischof und Königin Mary – Geisterstunde

Dass die Stadt lange ein Außenposten der Briten war, sieht man ihr an: Am Bahnhof versperrt ein klobiger Zitadellenturm den Weg ins Zentrum, und nach ein paar Schritten ist man am anderen Ende der Innenstadt, die von einer Festung auf einem Hügel bewacht wird.

 

Die Homepage besuchen:

www.faz.net/

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Horrmanns Hoteltest: Chinesische Löwen bewachen Pariser Luxushotel

Die Pariser Hotelpalette, gewiss die spektakulärste und auch teuerste in Europa, wurde gerade mit dem für mich weltweit besten Haus gekrönt, dem “Peninsula Paris” in der Avenue Kléber, ein Steinwurf vom Arc de Triomphe entfernt. Der Prachtbau war vor 100 Jahren einmal das “Hotel Majestic”, dann das Hauptquartier der Unesco und vor der grandiosen Renovierung Konferenzzentrum des Außenministeriums.

Schließlich wurden mehrere Hundert Millionen Euro in das Hotel verbaut und in die grandiose Einrichtung mit viel Blattgold gesteckt. Sechs Jahre lang arbeiteten die besten Handwerker Frankreichs an der Gebäudefassade mit feinstem Marmor und an der Einrichtung des luxuriösesten Domizils der Branchengeschichte.

Ein riesiges Löwenpaar aus Stein “bewacht” einen der beiden Eingänge und hält nach chinesischer Sitte die bösen Geister fern und das Glück im Haus.

Zimmer und Suiten

Die Zimmer (auch die unterste Kategorie) sind geräumig, klassisch und pfiffig gestaltet, alle mit großem begehbaren Kleiderschrank und den besten nur denkbaren Bädern, mit einer Dusche, gewaltig wie ein Tropengewitter, und mit separaten Toiletten. Viele luxuriöse Kleinigkeiten stechen hervor: der beheizte Toilettensitz, der Nagellacktrockner, der zentrale Lichtschalter am Bett, die kostenfreie Minibar.

Die meisten der 200 Zimmer und Suiten haben Balkone, exzellente Betten und wertvolle Kunstwerke als Dekoration. Bei einer derartigen Investition waren hohe Zimmerraten zu erwarten. So beginnt die Preisliste im “Peninsula” bei 1090 Euro die Nacht.

Essen und Trinken

Drei Restaurants werden angeboten, dazu Bars und Lobby-Bewirtung, insgesamt eine interessante Genussbreite. In traumhaftem Ambiente wird im “LiLi” kantonesische Küche serviert. Der einzige Wermutstropfen und Kritikpunkt war die Weinpflege. Die Flasche roter Bordeaux aus Pessac Léognan kam eiskalt, wie ich mir Champagner wünsche. Die Servicekraft erklärte mir dann völlig abstrus, ihre Gäste wollten das so. Der perfekt arbeitende Direktor Nicolas Béliard will das nun ändern.

Auf der Dachterrasse befindet sich das “L’Oiseau Blanc” mit gepflegter Bistro-Küche. Zum Frühstück gibt es kein Büfett, sondern À-la-carte-Gerichte auf edlem Porzellan.

Der Service

Auf Wunsch wird der Gast am Flughafen abgeholt. In allen Bereichen, von der Rezeption bis zum Room Service, die kleine Wein-Episode einmal ausgeklammert, ist der Service und die Pflege des Gastes perfekt, liebenswert, engagiert.

Das Urteil

Wann erreicht ein Hotel schon mal 99 Punkte? Bei meiner TV-Serie “Fünf Sterne sind mit nicht genug” war der Höchstwert 89. Das “Peninsula” ist mit der phantastischen Hardware, dank des umsichtigen Chefs Béliard und selbst bei kritischer Betrachtung schon jetzt mein Traumhotel von 2500 getesteten Häusern. Großes Kompliment!

Ein paar Mal gaben sich Hotels selbst sechs Sterne. Im “Peninsula” wären sie verdient. Seriös bewertet sind das mit einem Plus fünf ehrliche Sterne.

Quelle:

www.welt.de/reise

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New York: Ellis Island war Tausenden ein Tor in die Freiheit

Gleich hinter der Freiheitsstatue war die Freiheit erst einmal wieder zu Ende. Befragungen, Untersuchungen, Tests – erst danach ging es in das Land der Freiheit und vielleicht sogar des Wohlstands. Wenn man nicht wieder zurückgeschickt wurde.
Ellis Island im Hafen von New York war mehr als ein halbes Jahrhundert das Tor zu den USA, an dem Tausende auf Einlass hofften. Vor 60 Jahren – am 12. November 1954 – wurde das Aufnahmelager geschlossen, heute ist es eine der wichtigsten Attraktionen New Yorks.
Fast jeder Amerikaner stammt aus einer Einwanderer-Familie. Doch immer hatten die, die schon da waren, Furcht vor denen, die noch kamen; bis heute. Die Segler des 19. Jahrhunderts ließen ihre menschliche Fracht zumeist einfach an Land, doch nach und nach entwickelten die Bundesstaaten ein Behördensystem.
Schließlich nahm sich Washington der Sache an und ließ eine Insel im Hafen von New York zum großen Auffanglager ausbauen. Dafür wurde ihre Größe verdoppelt, indem man den Erdaushub vom U-Bahn-Bau nutzte. Am 1. Januar 1892 eröffnete die Station mit Krankenhaus, Wäscherei, Restaurant, Kerker und einer großen Halle.
29 Fragen bei der Einreise
In knapp 63 Jahren durchliefen zwölf Millionen Menschen das Auffanglager. Die meisten blieben nur ein paar Stunden da und mussten 29 Fragen beantworten, unter anderem wie viel Bargeld sie hatten. Denn Amerika wollte niemanden, der später der Gesellschaft zur Last fallen würde. Etwa zwei Prozent der Ankömmlinge wurden zurückgeschickt.
Ein Mythos ist es übrigens, dass die Einwanderer zwangsweise englische Namen bekamen. Verschrieb sich der Beamte allerdings bei den seltsamen irischen, polnischen oder deutschen Namen, blieb das zuweilen der neue Familienname.
“Sie haben uns Fragen gestellt”, erinnerte sich Pauline Notkoff 1985 für das Archiv von Ellis Island. “Wie viel ist eins und eins? Wie viel zwei und zwei? Ein Mädchen wurde gefragt: Wie putzt man Treppen? Von unten nach oben oder oben nach unten? Sie antwortete: ,Ich bin nicht nach Amerika gekommen, um Treppen zu putzen.'” Sie kam rein.
“Manche Familien mussten Tage oder Wochen hier ausharren”, erzählt Michael Burke. “Für sie gab es ein Krankenhaus, in dem über die Jahre 35 Kinder geboren wurden. Es sind allerdings auch 3500 Menschen hier gestorben.”
Burke ist Chef der kleinen Fährgesellschaft, die heute jeden Tag Tausende Touristen zur Insel bringt. Denn 1954 schloss Ellis Island, weil der Einwandererstrom nicht mehr nur zentral an einem Ort bewältigt werden konnte. Seit 1991 ist die Insel ein Museum.
Tarzan unter Habenichtsen
“Die meisten sind einfach neugierige Touristen”, sagt Joe Moran, Kapitän eines der Touristenschiffe. “Aber viele sind auch Kinder oder Enkel von Einwanderern.” Und immer mal wieder komme ein sehr alter Mann oder eine sehr alte Frau zu ihm, ein, zwei Dutzend Kinder und Enkel im Schlepptau, und sage ihm: Wissen Sie was, da bin ich als Vierjähriger angekommen, und jetzt habe ich eine große Familie.
Viele berühmte Amerikaner kamen hier als Habenichtse an, etwa Rudolph Valentino (Herzensbrecher), Johnny Weissmuller (Tarzan), Bob Hope (Komödiant), Erich von Stroheim (Regisseur), Edward G. Robinson (Hollywoods Chefgangster), Lucky Luciano (echter Chefgangster), Cary Grant (Hollywoodlegende), Max Factor (Kosmetiklegende), Irving Berlin (“White Christmas”) oder Isaac Asimov (Science-Fiction). Fast jeder dritte Amerikaner kann seine Wurzeln auf Ellis Island zurückführen.
Heute ist Ellis Island eine der größten Attraktionen New Yorks. Das heißt, eigentlich nicht: 1998 stellte nach 200 Jahren Streit der oberste Gerichtshof der USA fest, dass die Insel eigentlich zum benachbarten New Jersey gehört. So war selbst Ellis Island in New York eigentlich eine Immigrantin.

Zuerst erschienen auf:
http://www.welt.de/reise/staedtereisen/

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Der Stau als Chance

Der ADAC empfiehlt, bei Stau nicht den Alternativrouten zu folgen, die das Navigationsgerät vorschlägt. Dauert im Durchschnitt länger. Also lieber vorher Stauprognose gucken, sonst eben Kennzeichen raten, Fensterschilder basteln und den Menschen hinter dem Lenkrad am Kopf kraulen.

#1 Der Stau
Brennerpass
Zwischen Innsbruck und Sterzing liegt der Vater aller Urlaubsstaus. Brenner, das war früher unheimlich, erstens wegen des Namens und zweitens, weil Papa da immer fluchte. Daran hat sich nichts geändert. Nur mehr Mauthäuschen gibt es.

Die rettende Ausfahrt
Matrei am Brenner
Genau da, wo Land und Quengelei grenzwertig werden, das richtige Italien noch fern ist und die Lkw sich zu einem einzigen schleppenden Organismus verwachsen haben.

Die Exit-Strategie
Kurz in die Berge
Auf der alten Brenner Bundesstraße rollt es sich gleich befreiter. Bei Gries geht es ins schöne Außertal, am Ende der Fahrstraße wartet ein großer Parkplatz. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zum Obernberger See wandern, sein Wasser ist so klar, dass man jeden Fisch sieht, dazu gibt es am Ufer Felsen zum Kraxeln. Wer nicht so weit (ca. drei Kilometer) möchte, kann sich beim Parkplatz rechts halten, nach zehn Minuten kommt man zu alten Bergbauhalden. Mit gutem Blick findet man im Schutt am Wegesrand violette Fluorit-Kristalle. Schon hat der Urlaub sein erstes Souvenir!
#2 Der Stau
Fernpass und Inntalautobahn
Egal, ob man vom Allgäu über den anfälligen Fernpass schlängelt oder vom Bodensee Richtung Süden möchte – die Berge machen den Transit hier relativ beschwerlich und die ganze Region im Sommer für Autofahrer zur Qual.

Die rettende Ausfahrt
Imst
Da ist man entweder vom Fernpass-Gezuckel genervt oder vom Stop-and-go in einem der langen Tunnel auf der Inntal-Autobahn. Höchste Zeit für eine Pause.

Die Exit-Strategie
Achterbahn fahren
Der Alpine Coaster in Hoch-Imst bietet eine 3,5 Kilometer lange Abfahrt in Einzel- oder Doppelcoastern. Hoch geht’s mit der Seilbahn, runter mit bis zu 40 km/h. Keine läppische Sommerrodelbahn, sondern Schussfahrt, mit Steilkurven, Sprüngen und Wellen. Das perfekte Gegenprogramm zu Gaspedal und zäh fließendem Verkehr.

Alpine Coaster
Hoch-Imst 19 in Imst
Geöffnet: bis 15.9. täglich, 10–17 Uhr


#3 Der Stau
Elbtunnel

Schlimme Zahlen: 125 Staus über zehn Kilometer Länge gab es in den letzten zwei Jahren vor dem Elbtunnel. Probleme des Nadelöhrs zwischen Flensburg und Hannover sind Baustellen, Langsamfahrer und zu hohe Lkws.

Die rettende Ausfahrt
Hamburg-Waltershof
Auf der A7 von Süden ist die Ausfahrt Hamburg-Stillhorn die Lösung. Von hier zum Gartenschaugelände im Stadtteil Wilhelmsburg navigieren, wo 3000 Parkplätze warten.

Die Exit-Strategie
Im Garten Spielen
Die internationale Gartenschau in Hamburg hatte das Motto „In achtzig Gärten um die Welt“ und stillt so perfekt das Fernweh des pausierenden Autofahrers. Heute gibt´s zwar keine Gartenschau mehr, aber im Wilhelmsburger Inselpark sind einige Attraktionen der Gartenschau übrig geblieben.

Wilhelmsburger Inselpark
Am Inselpark 1, 21109 Hamburg

#4 Der Stau
Irschenberg
Der erste Buckel gleich hinter München stellt alle, die Richtung Süden wollen, vor eine Geduldsprobe. Ob es der erste Blick auf die Alpen ist oder die steile Auf- und Abfahrt – hier wird gebremst, kollidiert und hängen geblieben.

Die rettende Ausfahrt
Irschenberg
Das wollte man doch schon immer mal: Auf dem Höhepunkt des Staus entspannt abfahren können, weil man als Einziger wirklich einen Geheimtipp kennt.

Die Exit-Strategie
Kaffee trinken
Aber richtig. Schließlich hat sich hier die Familie Dinzler eine sehenswerte Kaffeeröstmanufaktur aufgebaut. Bohnen aus aller Welt werden im Kaffeehaus und Restaurant zum Gucken, Probieren und Kaufen angeboten. Das riecht nicht nur gut – das ganze Gelände ist ein angenehmer Ort für eine Pause. Wer weiß, vielleicht trinkt man den besten Kaffee des Italienurlaubs hier?

Dinzler Kaffeerösterei
Wendling 15, Irschenberg
Geöffnet: Täglich von 7–22 Uhr


#5 Der Stau
Hermsdorfer Kreuz
Das ist nicht nur ein Autobahnkreuz in Thüringen, sondern auch ein dickes rotes Kreuz in jeder Stauprognose des ADAC. Dank Baustellen wird es das wohl auch erst mal bleiben. Schlecht für alle, die von Berlin nach Süden aufbrechen.

Die rettende Ausfahrt
Schleiz
Die Ausfahrt kennt man aus dem Verkehrsfunk. Von hier sind es nur noch acht Kilometer bis zu den Ufern der Bleilochtalsperre und bis nach Saalburg.

Die Exit-Strategie
Märchen gucken
Gewusst? Im Märchenwald Saalburg gibt es das größte Hexenhaus Europas. Außerdem eine beruhigende Tschu-Tschu-Bahn, die zu den Schauplätzen von vierzig Märchen fährt. Wer es schneller mag, donnert gleich nebenan auf der Sommerrodelbahn mit Blick über die Bleilochtalsperre nach unten.

Märchenwald Saalburg
Dornbachgrund 1, Saalburg
Geöffnet: Täglich von 9–18 Uhr


#6 Der Stau
Hattenbacher Dreieck vs. Kirchheimer Dreieck
Mitten in Hessen liegen zwei der verkehrsreichsten Autobahnknoten Deutschlands. Hier verteilen sich Reisende und Rasende in alle vier Himmelsrichtungen – theoretisch. In der Praxis kommt sehr oft keiner vorwärts.

Die rettende Ausfahrt
Bad Hersfeld
Sehr günstig gelegen für alle, die auf der A7 oder der A4 vom Stau hören und sich rechtzeitig für eine Pause entscheiden. Sollte man eh häufiger machen.

Die Exit-Strategie
Graffiti sprühen
Diese und neunzig andere Mitmachstationen bietet das ungewöhnliche Ausstellungsgelände „Wortreich“ in Bad Hersfeld. Die Stadt will Besuchern die Errungenschaften ihrer beiden berühmten Konrads – Konrad Zuse und Konrad Duden – auf spielerische Art näher bringen. Bedeutet in echt: viel Bewegung, Raten und Ausprobieren. Also gerade das Richtige, wenn es im Auto nichts mehr zu entdecken gibt.

wortreich
Benno-Schilde-Platz 1, 36251 Bad Hersfeld
Geöffnet: Mo–Fr 9–17 Uhr, Wochenende 11–18 Uhr

Erstmals erschienen auf:

http://www.nido.de

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Weltumseglung mit Kind – geht das?

Ohne Windelvorrat, ohne Familienhotels, ohne Multivan und ohne die ständige Frage: ist das auch sicher? Vielleicht ist reisen mit Familie gar nicht so kompliziert, wie wir oft denken. Hier kommen Experten zu Wort, die mit ihren Familien Abenteuer erleben: Sie segeln, klettern und ziehen auf eigene Faust los.

Teil zwei unserer Serie: Ben Hadamovsky (47) ist fünf Jahre lang mit seiner Familie um die Welt gesegelt. Als es losging, waren seine Kinder ein und drei Jahre alt.

 

„Eigentlich wollten wir nur zwei Jahre Auszeit nehmen. Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und war von dem Leben in Deutschland gefrustet. Aber das Geld reichte dann doch länger als geplant. Die fünf Jahre Reisezeit haben sich einfach so ergeben: Als wir die Kanaren erreichten, merkten wir, dass es schwierig werden würde, von dort aus zurückzusegeln. Also haben wir den Atlantik überquert und uns so Schritt für Schritt um die Welt getastet. Hätten wir gleich die Idee gehabt, einmal um die Welt zu segeln, wären wir vielleicht gar nicht aufgebrochen. 

Wir haben uns viel Zeit gelassen, waren etwa ein halbes Jahr in Portugal und sechs Monate in Neuseeland; in Griechenland habe ich am Ende der Reise auch gearbeitet.

Das erste Jahr war haarsträubend: Meine Frau und ich hatten die Kinder nie zuvor zusammen erzogen, weil ich nur jedes zweite Wochenende zu Hause war. Plötzlich hatte ich Lisa und Nils nonstop um mich herum. In meinem Job war ich immer der Chef, hatte alles im Griff, und musste nun meine Grenzen neu kennenlernen – auf einem knapp zehn Meter langen Boot.

Wir haben uns gut vorbereitet mit Rettungsinsel, Satellitentelefon und einem dicken Erste-Hilfe-Koffer, trotzdem haben uns unsere Freunde für verrückt erklärt. Die Rettungsutensilien haben wir auf der ganzen Reise nie gebraucht. Vielleicht auch, weil an Bord strenge Regeln galten: An Deck mussten die Kinder immer einen Sicherheitsgurt tragen, der an einer Leine hing. Eine Schwimmweste hätte keinen Sinn gehabt. Wenn jemand ins Meer fällt, ist er weg. Die Leine dagegen war so kurz, dass man nicht mal aus dem Boot herausfallen konnte.

Angst hatte ich schon ab und zu, am schlimmsten waren die Piraten, auf die wir im Golf von Aden gestoßen sind. Zum Glück kamen sie nur bis auf hundert Meter an unser Boot heran und nicht näher.

Besonders gut hat es uns in Neuseeland gefallen, im gesamten Pazifikraum, aber auch auf La Gomera und am Rio Guadiana in Portugal. Wir könnten uns vorstellen, mal wieder loszuziehen, aber unser Boot haben wir nach unserer Rückkehr verkauft. Es soll nicht nur im Hafen liegen, sondern um die Welt segeln.“

 

Website:

www.nido.de/artikel/weltumseglung-mit-kind-geht-das

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