Reise

Insel Ischia in Italien: Wandern für Warmduscher

Der Ischia-Urlaub beginnt schon auf dem Sonnendeck der Fähre: Die Silhouette von Neapel, geprägt von Castel Nuovo und Castel dell’Ovo, verschwindet langsam am Horizont, der Vesuv zeigt sich mit seinem charakteristischen Doppelgipfel. Später tauchen die Landspitze von Capo Miseno und Procida – Ischias kleiner Schwesterinsel – auf. Nach nur 45 Minuten steuert der Kapitän sein Schiff zielsicher ins kreisrunde Hafenbecken von Ischia Porto.

Zahlreiche Taxifahrer umwerben die ankommenden Passagiere. Mit dreirädrigen Gefährten, perfekt für die Fahrten auf den schmalen Straßen der Insel geeignet, befördern sie die Gäste zu ihren Quartieren.

„Das war auch schon Ende der Fünfzigerjahre so“, sagt Antonio di Meglio. Damals steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen, erzählt der heute 80-Jährige. „Ich habe schnell gelernt, dass man mit Touristen mehr Geld verdienen kann als mit den Weinbergen, die meine Eltern bewirtschafteten“, erklärt er.

Zunächst sei er nur mit dem Taxi unterwegs gewesen, am Anfang sogar ohne Lizenz. Später habe er Gäste, die eine Unterkunft suchten, im Wohnhaus der Eltern einquartiert. „Viele Besucher wollten die Insel kennenlernen – also habe ich auch noch Inselrundfahrten für sie gemacht und ihnen die schönsten Ecken gezeigt“, sagt di Meglio.

Heiße Quellen erhitzen das Meer

Di Meglio baute ein eigenes kleines Gästehaus, schon bald aber wuchs ihm die Arbeit über den Kopf. Eine Frau aus Deutschland wäre perfekt fürs Geschäft, dachte er. Und dann stand eines Tages Brunhilde aus Hagen am Hafen und wartete auf ein Taxi.

„Als ich sie sah, wusste ich sofort, das ist genau die Frau, die ich suche. Natürlich war auch Liebe im Spiel“, sagt er und lacht. Heute führen die beiden Kinder Andrea und Giovangiuseppe die zum Mittelklassehotel gewachsene Herberge weiter.

„Die meisten Gäste kommen immer noch zum Badeurlaub“, sagt Tochter Andrea. Schließlich böten die zahllosen heißen Thermalquellen fast das ganze Jahr über die Möglichkeit, in natürlich warmem Wasser zu baden.

In der Bucht von Sorgeto zum Beispiel ist das Meer durch die heißen Fumarolen, kleine Öffnungen im Vulkangestein, so warm, dass man selbst im Winter in warmes Wasser eintauchen kann. Am Strand von Carta Romana schwimmt man mit Blick auf das Castello Aragonese, und auch dort sorgen heiße Quellen für traumhafte Badetemperaturen.

Doch gerade Besucher aus Deutschland haben Ischia auch als Wanderziel entdeckt. „Ischia ist eine grüne, durch vulkanische Aktivitäten geprägte Insel“, sagt Andrea di Meglio. Sie bietet wöchentlich mehrere Wandertouren für Gäste an, die durch Weinberge und schattige Wälder führen und immer wieder großartige Ausblicke auf das im Sonnenlicht blau glänzende Mittelmeer bieten.

Der Wanderklassiker: der Gipfel des Epomeo

Eine der schönsten Touren beginnt in Ischia Ponte. Zwar hat sich auch das einstige Fischerdorf auf den Tourismus eingestellt, aber die engen Gassen mit alten Häusern und verwitterten Fassaden haben bis heute viel Charme.

Überragt wird der kleine Ort vom mächtigen Kastell der Aragoneser. Der Burgkomplex thront auf einer vorgelagerten Felsinsel und ist stolzes Symbol der wechselhaften Inselgeschichte. Das etwas höher gelegene Dörfchen Campagnano bietet nach rund 20 Minuten Wanderung den wohl schönsten Blick auf das Kastell.

Nach einer weiteren halben Stunde taucht Torri di Campagnano auf. Nur noch wenige alte Bauernhäuser sind im winzigen Dorf bewohnt. Das Panorama ist postkartentauglich – und der Blick reicht bis hinüber zum benachbarten Capri.

Unterwegs erzählt Andrea die Meglio viel über die Flora der Insel. Sie ist froh, dass die Bauern wieder die lange vernachlässigten Weinberge kultivieren: „Die Arbeit in den steilen Hanglagen ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Immer mehr Gäste möchten regionale Produkte probieren, da darf Wein nicht fehlen.“

Ein Klassiker bei den Wanderungen ist der Aufstieg zum Gipfel des Epomeo. Mit 789 Metern ist der Vulkankegel Ischias höchster Berg. Gestartet wird in Forio Monterone. Der Weg führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft hinauf bis zur Einsiedelei Santa Maria del Monte. Danach passieren die Wanderer einen Akazienhain, um dann den letzten steilen Streckenabschnitt in Angriff zu nehmen.

Die Mühen des Aufstiegs werden mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Wer mag, stärkt sich im Bergrestaurant für den Abstieg. „Frühaufsteher können hier oben auf dem Gipfel ein besonders stimmungsvolles Schauspiel erleben“, erzählt Andrea di Meglio: „Dann taucht die aufgehende Sonne unsere Insel in ein unvergleichlich schönes Licht.“

Zuerst veröffentlicht auf:

www.spiegel.de/reise

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Die 5 malerischsten Orte Armeniens

Armenien ist ein kleines Land, welches alte kulturelle Erben mit einzigartiger und wunderschöner Natur vereint. Jedes Jahr besuchen Touristen aus vielen verschiedenen Ländern das Land, um seine architektonischen Denkmäler zu besichtigen, das klare und heilende Mineralwasser zu kosten, oder die wunderschönen Landschaften zu genießen. Die Landschaften hier sind wirklich unvergesslich: bewaldete Berge und Hügel, klare Seen, Almwiesen mit Blumen, rauschende Wasserfälle, reißende Flüsse, tiefe und malerische Schluchten. Armenien ist unter anderem auch das erste Land, das das Christentum als Staatsreligion annahm. Heutzutage beinhaltet das Gebiet des Landes mehr als 4000 religiöse Denkmäler des Christentums, von denen jedes seine eigene Geschichte zu erzählen hat. Im Folgendem präsentieren wir Ihnen die Top 5 der malerischsten Orte Armeniens, die sehr für Reisen zu empfehlen sind und unbedingt besucht werden sollten.

 

Dilijan

Dilijan Armenien

Dilijan ist eine der schönsten Städte Armeniens. Touristen, sowie auch Einheimische, kommen hierher, um die Schönheit der Stadt zu genießen, sich zu erholen und um die saubere und gesunde Luft mit weichen Pinienaroma zu genießen. Die Stadt bietet verschiedene gemütliche Ferienhäuser und Hotels, welche für Ruhe und Erholung sorgen und von Naturschutzgebieten umgeben sind, welche das weitere Bestehen von Eichen- und Pinienwäldern, sowie auch von Bergseen sichern sollen. Dies erklärt auch die saubere und gesunde Luft Dilijans. Etwa 20 Minuten Autofahrt nordöstlich von Dinijan befindet sich der herrliche See namens Parz, welcher ebenfalls ein Teil des Naturschutzgebietes ist. Er ist von breiten Bäumen umgeben, welche sich Richtung See senken und im klaren Wasser gespiegelt werden. Es existiert außerdem ein Waldpfad, der vom See zum Dorf namens Gosh führt. Diese Route ist so malerisch, dass es kein Wunder ist, dass sie bei Wanderfreunden große Beliebtheit genießt. Im Dorf selbst können Sie ein mittelalterliches Kloster aus dem 8. Jahrhundert namens Goshavank besichtigen.

 

Jermuk

Jermuk Armenien

Jermuk ist eine weitere äußerst gemütliche Stadt Armeniens, welche nicht nur eine schöne Landschaft, sondern auch klares Mineralwasser besitzt, das für die heilende Wirkung gegenüber vielen Krankheiten bekannt ist. Der schöne Fluss Arpa teilt die Stadt in zwei Teile und mündet im Wasserfall Jermuk, welcher eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist. Außerdem ist er der zweitgrößte Wasserfall Armeniens. Das Wasser fällt hier aus einer Höhe von 68 Metern hinunter und verursacht beim Aufprall Myriaden von glitzernden Spritzern. In der Schlucht des Flusses können Sie eine interessante Felsenformation, die eine riesige hundert Meter große Monolyth mit großen Stufen ist, welche zur Spitze führen. Diese nennt man auch „Stairway to heaven“ – Treppen zum Himmel. Bis zum heutigen Tage ist noch nicht bekannt, ob jene Stufen aus menschlicher Hand oder aus Naturereignissen entstanden.

 

Khndzoresk

Khndzoresk Armenien

Nicht weit von der Stadt Goris im Syunik-Gebiet entfernt liegt eine Stadt mit unbeschreiblicher Schönheit. Für alle Touristen, die diesen Ort besichtigen scheint es, dass die Zeit gestoppt hat und sie sich in einem früheren Jahrhindert befinden. Die Hauptattraktion ist eine Höhlenstadt, in der Menschen vor mehr als tausend Jahren lebten. Dort lebten sie bereits seit Jahrhunderten und diese Höhle diente nicht nur als Wohnraum, sondern auch als Schutz vor Feinden. Die ehemaligen Bewohner dieser Stadt verließen diese, welche nun unter staatlichem Schutz steht. Besucher aus aller Welt kommen zu Khndzoresk, um diese einzigartige Höhlenstadt mit ihren alten Kirchen und Grabsteinen zu besichtigen. Vervollständigt wird das malerische Bild mit der der Stadt umgebenden grünen Landschaft inklusive mächtiger Felsen.

 

Lake Sevan

Lakesevan Armenien

Der Sevan-See ist einer der größten Süßwasserseen der Welt. Er ist so riesig, dass er auch als „Armenisches Meer“, und wegen seiner Schönheit auch als die „Perle Armeniens“ bezeichnet wird. Die Landschaft um den See lässt niemanden etwas zu wünschen übrig: Bergsteppen, Almwiesen und malerische Hügel. Auf der Sevan-Halbinsel steht stolz das im Jahre 874 erbaute Kloster von Sevanavank. Das Gebiet rund um dem See ist außerdem ein perfekter Ort für den Sommerurlaub. Einheimische, sowie auch ausländische Besucher genießen Jahr für Jahr während der Sommerzeit hier ihre Freizeit. Hier können sie surfen, auf Jachten oder Katamaranen fahren, campen und dementsprechend eine unvergessliche Zeit erleben. Doch auch im Winter lohnt es sich aufgrund der schönen Skigebiete, diesen Ort zu besuchen.

 

Mount Aragats

Mount Aragats Armenien

Der Berg Aragats ist ein erloschener Vulkan und gleichzeitig der Höchste Punkt Armeniens (4090m). Almen und eine Vielzahl von duftenden Blumenarten umgeben den Berg, sowie auch hunderte von kalten Quellen, welche nicht minderschön sind. Das Panorama, welches Ihnen von der Medium-Seite präsentiert wird ist ebenfalls nicht weniger beeindruckend: die Bergseen, Silber auf dem Hintergrund der smaragdgrünen Wiesen, einsame Hügel, welche aus den Tälern des Araks Flusses herausragen. Die Temperatur hier ist von der Höhe abhängig: je höher man steigt, desto kälter wird es. Der Mount Aragats ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger.

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Route nationale 7: Im alten Opel Kapitän über die Route 66 Europas

Was ist aus der Landstraße, der alten Fernstraße geworden? Was aus den Wegen, auf denen die Reisenden nicht durch die abgeschirmte Welt sechsspuriger, kreuzungsfreier Autobahnen von einem Ende des Landes zum anderen geführt werden? Auf denen sie vielmehr mit ihrer Limousine mitten durchs Leben rollten, auf zwei Spuren mit Gegenverkehr, und immer mal entschleunigen mussten, auch stehen bleiben, wobei ihr Blick durch die Fenster in Wohnzimmer, Cafés oder Geschäfte fiel.

Bei heruntergekurbelten Scheiben zogen die wechselnden Gerüche, Geräusche und Temperaturen herein. Mehrere Tage auf engstem Raum unterwegs, Strapazen, plärrende Kinder – aber viele der Straßen durch Städte, Dörfer und Landschaften wurden verehrt, einige besungen, sie waren legendär, ihre Namen standen für Sehnsucht, Fernweh, für die schönsten Jahre des Autokults.

Die französische Antwort auf die amerikanische Route 66

Willkommen im Roadmovie, Einsteigen ins Jahr 1956, jedenfalls in ein Auto aus jenem Jahr. Mit einem alten Opel Kapitän geht es „in die Sonne, in die Freiheit“. So heißt das Buch des Autors Michael Kröher und des Fotografen Wolfgang Groeger-Meier, die uns darin, fast wie im Kino, ihre Reise auf so einer Straße vorführen. Auf der französischen Route Nationale 7, die Ikone für den Autoverkehr in Richtung Süden aus den 50er- und 60er-Jahren.

Ausgangspunkt: Paris. Endpunkt: Mittelmeer, kurz hinter Nizza bei Menton. Neben den sonnenhungrigen Touristen zogen Tramps, Hippies und Straßenmusiker entlang der Nationale 7 (RN 7) gen Süden. Auch Groeger-Meier war auf der Strecke einst zu Hause. Aufgewachsen in Paris sah er sie als Kind viele Jahre hintereinander, jeden Sommer vom Rücksitz des elterlichen Peugeot 404 aus, hin und zurück.

Die RN 7 ist ein Traum, liebevoll auch „Route Bleue“ genannt – blau wie das Meer und der Himmel an der Côte d’Azur. Sie war die französische Variante der amerikanischen Route 66. Doch mit dem Ausbau der mautpflichtigen Autobahnen verblasste ihr Ruhm. Heute schätzen Nostalgiker den Umweg, am stilvollsten im Oldtimer. Wer sie in unseren Tagen befahren will, muss allerdings historischen Straßenkarten folgen. Auf den neuen ist sie nicht mehr markiert, ihr offizieller Status ist passé.

Seit die Nationale 7 entwidmet wurde und die Zuständigkeit 1972 an die Departements ging, ist das Original auf vielen Etappen „verfälscht“, der Verkehr auf Umgehungsstraßen verlegt, auf vierspurige Schnellstraßen, oder gleich auf die Autobahn. Um so charmanter, inzwischen fast schon wieder naturbelassen, präsentiert sich die ursprüngliche Strecke. Und sie sind noch zu finden, die berühmtesten Etappen, die Rastplätze und Tankstellen, die Gasthäuser und berüchtigten Engpässe in den Orten, einst in der Hochsaison geplagt von stundenlange Staus.

Sie fahnden nach Zeugen aus der Zeit der Route nationale

Die ersten Kilometer der Strecke – Beginn ist vor der Kathedrale Notre Dame – verlieren sich noch im Straßengewirr des Pariser Zentrums. Hinaus geht es durch die Betonschluchten der Trabantenstädte. Von ihnen war damals noch nichts zu sehen, nichts zu ahnen von der explosiven sozialen Brisanz, die dort heute herrscht. Bei Orly steht am Straßenrand der Torso einer Concorde.

Dass der Traum vom Überschall-Passagierverkehr schon bald ausgeträumt sein würde, ahnte auch keiner in der Zeit, als die Pferdestärken unter der Haube immer mehr und die Pisten immer breiter wurden. Dann, hinter Fontainebleau, kommt das Gefühl der Landstraße auf, alte Alleen, von Buschwerk überwucherte Tankstellen, längst geschlossene Rasthäuser, angepriesen in den alten Reiseführer. Sie und die verwaschenen Reklamewände auf Häusern, mit Werbung für längst verschwundene Marken, zeugen von der einst so lebendigen Verkehrsader.

Anders als die Familienväter aus den Sechzigern und Siebzigern, die ihre Dauphine, R4 oder Simca Aronde nach Kräften prügelten, damit sie spätestens am zweiten Abend am Mittelmeer das Zelt aufschlagen konnten, lassen sich Kröher und Groeger-Meier Zeit, für sich, für den Leser, für ihren Kapitän. 1000 Kilometer in fünf Tagen, Spurensuche auf der Nationale 7.

Sie fahnden nach Zeugen aus der großen Zeit, Besitzer überlebender Werkstätten und Tankstellen etwa, die damals, zu Zeiten ihrer Väter, öfter zum Boxenstopp luden, weil die Ölwechsel noch alle 5000 Kilometer vorgeschrieben waren und allfällige Malaisen nervten, gerissene Bowdenzüge oder verdreckte Unterbrecherkontakte.

Die Autoren besuchen die Attraktionen der Durchgangsorte, an denen auch die Urlaubshungrigen, bei aller Eile, wenigstens beim ersten Mal kurz innehielten, die Brücke von Avignon, die römischen Amphitheater in Vienne und Orange. Sie treffen Menschen, die noch sehnsüchtig vom großen Durchgangsgeschäft in der Gastronomie und im Einzelhandel berichten können.

Wo die Ente endlich mal den Käfer abhängen konnte

Aber auch nach vorn denkende Bürgermeister, die entlang der heute ruhigeren Strecke sanften Tourismus aufbauen, und Wirte aus Sternerestaurants, die daran teilhaben wollen. Oder sie besuchen Häuser, die unmittelbar von der RN-7-Nostalgie zehren, wie das „Musée Mémoire de la Nationale 7“ in Piolenc, in dem die Kleinwagen alle stehen, die damals die Strecke bevölkerten.

Die Landschaften wechseln mit den Flusstälern, Île-de-France mit der Seine, Burgund und Zentralmassiv mit der Loire. Dann der Aufstieg zur westeuropäischen Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer, zum Col du Pin-Bouchain auf immerhin 760 Meter über dem Meer, wo damals die 2CV-Ente endlich mal den etwas stärker motorisierten VW abhängen konnte. „Der Käfer ist eben doppelt so schwer und kann nicht so gut durch die Kurven schaukeln“, verteidigte sich dann der deutsche Papa am Volant in Richtung Rückbank.

Noch sind sie nicht überall verschwunden, die oben abgerundeten, rot-weißen Kilometersteine der Nationale 7 und all die anderen alten Wegmarken, gemalt, gegossen, gemauert, obwohl ihnen ihre offizielle Funktion genommen wurde. Irgendwann werden sie unter Denkmalschutz stehen. Beim Abstieg zur Rhône beginnt es, nach Mittelmeer zu riechen, hinunter geht es zu den Pinienwäldern, zu den Olivenbäumen, den Kräutern der Provence, den zirpenden Grillen, den warmen Abenden.

Das Auto der beiden Autoren, fast sechzig Jahre alt, ist denkbar passend. Ihr Kapitän, Oberklasse, sechs Zylinder, 75 PS, 140 Spitze, war vielleicht der schönste in der Modellreihe, die damals fast jährlich die Karosserie wechselte und dabei ansonsten meist nur amerikanischen Protz nachahmte. Der „56er“ nicht, zweifarbige Eleganz, freundliches Gesicht, zurückhaltende Proportionen.

Nun gut, Weißwandreifen hätten vielleicht gepasst, vor allem ein Autoradio. Dann nämlich hätten die Fahrer in den fünf Tagen daraus sicher irgendwann den Schlager von Charles Trenet aus dem Jahr 1959 über die Straße herausgeholt: „Man ist glücklich auf der Route Nationale 7″, sang Trenet damals, trällerte über die Olivenbäume am Straßenrand, den Himmel darüber und die Sonne im Herzen. Ein Hit. Es blieb nicht der einzige über die Kultstraße.

Warum die beiden Autoren nicht mit einem Citroën DS 19 oder Peugeot 404 unterwegs waren? Kröher sagt, sie hätten auf der Strecke, die heute von vielen französischen Nostalgikern in ihren einheimischen Oldtimern befahren wird, mit dem Kapitän ganz bewusst zeigen wollen, dass sie aus dem Ausland, aus Deutschland gekommen seien. Dabei dürfte das freundliche Gesicht auch damals auf der Nationale 7 kein unbekanntes gewesen sein. Der Kapitän, die Oberklassen-Limousine, war in den 50er-Jahren zeitweise der am drittmeisten verkaufte Autotyp in Deutschland, hinter dem VW Käfer und dem Opel Rekord, und zwei Drittel der Produktion gingen ins europäische Ausland.

Klassiker, zu denen die Highways niemals aufrücken werden

Beliebt war die Strecke sowieso auch bei Urlaubern in Deutschland, wo es an legendären Landstraßen eher mangelte. Wer hier nach dem Krieg in den Süden in die Ferien wollte, dem standen von Anfang an Autobahnen zur Verfügung, und die hatten noch nie Charme. Gab es je ein sehnsüchtiges Lied über die „Hafraba“, die Autobahn von den Hansestädten über Frankfurt nach Basel? Oder über Bundesstraßen wie die B 3, die zu Beginn wenigstens noch manche Lücke im vierspurigen Netz zweispurig schließen mussten?

Sie blieben ohne Glanz, nie wurde eine deutsche Fernstraße mit der Route 66 durch die USA verglichen, die Nationale 7 dagegen immer wieder. Erst vor Kurzem führte die „Washington Post“ in einer Reportage die Parallelität an. Auch der alte amerikanische Highway ist Kult, in einem Land, in dem die großen Roadmovies wie „Easy Rider“, „Paris, Texas“ oder „Wild at Heart“ eben die guten alten zweispurigen Straßen in Szene setzen, jene Klassiker, zu denen die Highways niemals aufrücken werden.

Kurz vor dem Ende der RN 7 schossen die Autoren noch ein Foto vom Hauptdarsteller, ihrem Kapitän, vor dem Schloss in Villefranche-sur-Mer, in dem die Rolling Stones Songs schrieben und Joints rauchten. Das war Anfang der Siebziger, als die Kultstraße zur Geschichte wurde. Wenige Kilometer später war auch damals Schluss, am Meer oberhalb von Menton. Hier stand – und steht immer noch – der letzte rot-weiße Kilometerstein, der das Ende markierte – und den Start zurück nach Paris.

Originalbeitrag:

www.welt.de/reise/nah/article141377201/

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Österreich: Gute Nachbarn

In Wien hat die Caritas ein ehemaliges Pensionistenheim in ein stylisches Hotel umgebaut. Empfangen werden die Gäste von Flüchtlingen.

Von Cathrin Kahlweit

Wien ist, auch wenn die Wiener das immer behaupten, keine grüne Stadt. Sicher, es gibt ein paar Parks und kleine Grünflächen, aber kaum breite, baumbestandene Alleen oder idyllische Wasserläufe. Wien ist, jenseits des goldenen Innenstadt-Rings, an vielen Stellen ziemlich grau. Das „Magdas“ aber liegt in Gehweite von der City am Rand des Praters. Von den Hotelterrassen und Balkonen aus schaut man in Baumwipfel, das Riesenrad dreht sich jenseits der Prater-Hauptallee leise im Kreis, und eine gigantische Schiffsschaukel schwingt beseelte Passagiere durch die Lüfte. Man kann sogar den Kahlenberg in der Ferne sehen und die Heurigenlokale am Hang erahnen. Das Hotel Magdas hat also einen immensen Vorteil, wenn man eine grüne Oase mitten in der Großstadt sucht: die Lage.

Leicht wird es das Hotel trotzdem nicht haben. Denn Wien hält knapp 60 000 Hotelbetten für seine Gäste vor. Und auch wenn es an manchen Tagen so aussieht, als sei mit großer Wahrscheinlichkeit jedes Bett an jedem Tag im Jahr belegt: Das täuscht. Die durchschnittliche Auslastung liegt bei 60 Prozent.

Warum das wichtig ist? Weil dem Magdas erst einmal nur fünf Jahre zugestanden wurden, um zu beweisen, dass es allein überleben kann. Und weil ein Hotel, das von der katholischen Kirche betrieben wird, das mit viel kreativem Erfindungsgeist eingerichtet werden musste, das von den Nachbarn – zumindest anfangs – sehr skeptisch betrachtet wurde, mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Zumal ein Teil seiner Angestellten Ungelernte oder ehemalige Langzeitarbeitslose sind. Und nicht alle super Deutsch sprechen.

Aber man kann die Sache auch ganz, ganz anders betrachten, und dann stellt sich das Hotel an der Laufbergergasse im zweiten Bezirk als eine kleine Sensation dar.

Es ist stylish, hip, heiter, gemütlich, innovativ, preiswert. Unter den 26 Mitarbeitern sind, neben fünf echten Hotellerie-Profis und einem Jobcoach, 20 Menschen aus 14 Nationen, die sich in der großen, weiten Welt auskennen, denn daher kommen sie: Es sind Flüchtlinge, die in Österreich als Asylbewerber anerkannt wurden oder eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung haben und in der Mitte Europas ein Zuhause suchen. Manche haben es im Magdas gefunden. Sie sprechen Russisch, Persisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch.

Oder Arabisch. Malid Khodada stammt aus dem Irak, vor drei Jahren ist er über die Türkei mit dem Bus nach Österreich geflohen. Der junge, schüchterne Mann ist Jeside, und auf die Frage, vor wem oder warum er davongelaufen sei, wiederholt er das Wort Angst: Angst vor den Islamisten, aber auch Angst vor den Kurden, vor der Zukunft, vor dem Krieg. „Ich musste die Schule verlassen, hatte keine Arbeit. Ich bin 25 und habe schon mein halbes Leben verloren, ich will nicht noch mehr verlieren“, sagt er. Jetzt hat er einen echten Job, er arbeitet an der Bar des Magdas, und wenn er unsicher inmitten von Hotelgästen Platz nehmen soll, um zwischen Couchtischen, Kuchenvitrinen und Bücherregalen, mit Blick auf die noch unbestuhlte Holzterrasse hinter den großen Glasfenstern von seinem schwierigen, oft einsamen Leben zu erzählen, dann merkt man, dass er noch nicht angekommen ist. Dass er auch jetzt Angst hat, er gehöre nicht wirklich hierher.

Genau das will man bei der Caritas ändern. Der Staat Österreich heißt, wie ganz Europa, Geflüchtete nur sehr bedingt willkommen. Offiziell sollen Asylverfahren nur etwa sechs Monate dauern, aber viele dauern Jahre. Nach drei Monaten dürfen Asylbewerber theoretisch arbeiten – aber nur als Saisonarbeiter, als Erntehelfer etwa, in der Gastronomie, als Prostituierte. Die Zuverdienstgrenze liegt bei 110 Euro, wer mehr verdient, läuft Gefahr, aus der sogenannten Grundversorgung und damit auch aus der Krankenversicherung herauszufallen. Kaum ein Geflüchteter und kaum ein Arbeitgeber geht das Risiko ein: zu viel Bürokratie, zu viel Gefahr.

Unter anderem deshalb hat die österreichische Caritas, eine Hilfsorganisation der katholischen Kirche, unter der Überschrift Social Business eine Firma gegründet: Die Caritas Services GmbH realisiert Projekte unter der Dachmarke Magdas, was übrigens von „ich mag das“ herrührt. Ziel sei es, sagt Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas, „soziale Probleme mit wirtschaftlichen Ansätzen zu lösen“. Also betreibt man mittlerweile eine Kantine, zwei Großküchen, einen Hausmeisterbetrieb, einen Supermarkt, eine Recycling-Firma – und eben das neue Hotel.

Das war früher ein Pensionistenheim, und vor dem Umbau war alles etwas ältlich. Aber nun hängt ein Schild über dem Eingang, das verheißt, hier würden “ Vorurteile abgebaut“, und Studenten von der benachbarten Akademie der bildenden Künste haben sich eine schöne Methode ausgedacht, wie die Fassade aufgehübscht werden soll: Jeder Gast kann für 15 Euro ein glänzendes Kupfer-Paneel kaufen, das dann an der Außenwand befestigt wird. So wächst dem Hotel nach und nach eine glänzende Schale zu.

Überhaupt die Studenten: Sie haben sich bei der Renovierung mächtig ins Zeug gelegt und mitgeholfen, die Zimmer auszustatten. Die alten Einbauschränke wurden auseinandergesägt und als Tische neu zusammengesetzt. Hotel-Chef Sebastiaan de Vos, ein Profi aus den Niederlanden, ist durch die Republik gefahren und hat Möbel gesammelt: Metallschränke von der Bahn, die jetzt als Kleiderschränke einige Zimmer zieren, und ehemalige Gepäckablagen aus Zügen, auf die man seine Koffer stapeln kann. Vintage-Möbel und bunt bemalte Wände sind kombiniert mit neuen Teppichen und neuen Matratzen, und jeder Raum hat seinen eigenen Witz und Charme. Das Jägerzimmer zum Beispiel: An die Wand hat jemand Fahrradsättel mit Lenkern so angeschraubt, als hingen da Hirschgeweihe. Und obwohl die FPÖ anfangs unkte, hier werde womöglich ein Drogenumschlagplatz entstehen, weil in einem Teil des Gebäudes nämlich auch noch eine Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht ist, haben viele Nachbarn nach einer Schockphase – huch, hier sollen Ausländer leben? – Vertrauen gefasst, Bücher und Pflanzen gebracht.

Jetzt wirkt alles frisch poliert und heiter, und die Flüchtlinge, die ja nun Mitarbeiter sind, zeigen das Haus mit sichtlichem Stolz. Balvinder Singh etwa ist ein Sikh aus Nordindien, und er ist insofern eine Ausnahme, als er schon seit mehr als 20 Jahren in Österreich lebt. Er wollte auch einen Pass beantragen, aber das hat nicht geklappt, weil er nicht lange genug in die Sozialversicherung eingezahlt hat: keine Arbeitsgenehmigung, kein Job, Herzinfarkt, behindert. Er hat mal Gartenarbeit gemacht und mal Zeitungen ausgetragen, aber meist lebte er von der Sozialhilfe. Jetzt zerspringt er fast vor Dankbarkeit, dass es noch mal eine Chance für ihn gegeben hat nach all der Zeit. Klar, sagt Hoteldirektor de Vos, laufe nicht alles immer ideal: Menschen, die jahrelang von einem Verfahren ins nächste stolperten, von einer Anhörung zur nächsten, immer in Sorge vor einem negativen Bescheid oder einer Abschiebung, die immer nur warten mussten, warten, warten, die hätten manchmal Mühe, wieder in ein geregeltes Arbeitsleben einzutauchen.

Aber offenbar ist man im Magdas wild entschlossen, alle Mitarbeiter zu stabilisieren, zu trainieren und zu halten. Und vier Jugendlichen aus der WG der unbegleiteten Flüchtlinge eine Hotellehre zu ermöglichen.

Warum das so eindeutig und so sichtbar ist? Im Foyer begrüßen den Gast große und kleine, rechteckige und quadratische Fotos von all den schwarzen, gelben, weißen, hellbraunen und dunkelbraunen Menschen, die hier arbeiten. Und die Fotos würden ja nicht alle da hängen als Verbeugung, Lebensbeweis und Existenzberechtigung, wenn die Gefahr bestünde, dass das Projekt scheitert. Oder?

 

Originalbeitrag:

http://www.sueddeutsche.de/reise

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Urlaub in Tunesien: Als arabisches Land zahlen wir einen hohen Preis

Palmen-Idylle mit Kameraüberwachung, Boutiquehotels neben Bettenburgen: Obwohl sich die Lage in Tunesien nach Ausbruch der Revolution in der arabischen Welt recht schnell wieder beruhigte, kämpft das Land bis heute mit den Folgen der Krise – und mit dem Terror des Islamischen Staats, der auf das Land zurückstrahlt.

Auch die Tourismusbranche, die mit 6,5 Prozent einen beachtlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, leidet noch immer unter dem massiven Einbruch der Besucherzahlen. Die Krise zwingt das Land dazu, sich neu zu erfinden.

Vier Jahre nach dem „arabischen Frühling“ schürt nun die erste demokratische Wahl eines Präsidenten die Hoffnungen auf den wirtschaftlichen Aufschwung. Die scheidende tunesische Tourismusministerin Amel Karboul über Wachsamkeit, Musikfestivals im Wüstensand und ihren Wunsch, nach dem Berufsurlaub ein Sabbatjahr einzulegen.

Die Welt: In Tunesien begann im Dezember 2010 der „arabische Frühling“ mit der Verbrennung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Gerade haben Sie die ersten freien Wahlen abgehalten. Tunesien gilt in der arabischen Welt als Vorreiter in puncto Demokratie. Was haben Sie besser gemacht als die anderen?

Amel Karboul: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen dürfen wir auf eine lange Friedensgeschichte zurückblicken und verzeichnen eine hohe Bildungsrate – vor allem auch bei den Frauen. Zum anderen haben wir starke staatliche Institutionen: Zeigen Sie mir ein zweites Land, in dem am Freitag Revolution ist und die Leute am Montag wieder ganz normal arbeiten gehen – wie nach der Flucht des ehemaligen Präsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011.

Wir standen in der Vergangenheit immer wieder vor Situationen, die zu politischen Machtkämpfen hätten führen können. Doch die Beteiligten haben sich immer für die Demokratie entschieden – und gegen die Macht. Auch wenn das nie einfach war: Es zeigt die Reife, die das Land in den vergangenen Jahren erlangt hat. Das ist, denke ich, der Unterschied zu Ländern wie Libyen oder Syrien.

Die Welt: Dennoch hat der „arabische Frühling“ das Land in eine Krise gestürzt. Statt sieben kamen 2011 nur noch 4,8 Millionen Besucher ins Land, der Tourismussektor brach um 40 Prozent ein.

Karboul: Das ist das Paradoxe. Der Gewinner der vergangenen Jahre ist die Demokratie, es gibt aber auch einen Verlierer: die Wirtschaft. Tunesien ist sicherer als manche europäische Großstadt – und war es schon während und auch nach der Revolution. Aber wir haben das einfach schlecht kommuniziert.

Zum anderen ist es das Gesamtbild, auf das der Tourismus sehr empfindlich reagiert: Wenn in Syrien etwas passiert, schlägt sich das auch bei uns in Tunesien nieder. Wir sind Teil der arabischen Welt – und zahlen dafür einen hohen Preis, vor allem im Tourismus. Richtig ist, dass es hier immer wieder zu Demonstrationen kommt, was die Menschen verunsichert. Sie verlaufen aber friedlich und sprechen doch für die Demokratisierung des Landes.

Die Welt: Was hat sich seit der Absetzung und Flucht des Diktators Zine al Abidine Ben Ali 2011 im Tourismussektor verändert?

Karboul: Der Einbruch im ersten Jahr war für uns natürlich ein Schock. Wir spüren die Auswirkungen der Krise bis heute. Die Touristenzahlen steigen nur sehr langsam wieder, und vor allem die klein- und mittelständischen Hoteliers stecken nach wie vor in großen finanziellen Schwierigkeiten, mussten viele Mitarbeiter entlassen.

Es gibt aber auch einen positiven Effekt. In der Krise haben sich viele alternative Tourismuskonzepte zum Pauschaltourismus entwickelt: Boutiquehotels, Pensionen, Weingüter, neue Designlabels, das Streetart-Festival auf Djerba mit 150 Künstlern aus 30 Ländern, spirituelle Wanderungen werden angeboten.

Im Februar findet zum zweiten Mal ein elektronisches Musikfestival in der Wüste statt. Das ist eine ganz neue Energie, die das Land durchströmt. Und Tunesien hat diese kulturellen Schätze – wir haben sie nur nie verkauft.

Die Welt: Ist das das Ende der Bettenburgen?

Karboul: Nein. In den vier Sommermonaten ist der klassische Pauschalurlaub nach wie vor sehr gefragt – vor allem bei Familien und jungen Leuten, die Party machen wollen. 2014 waren wir in der Hauptsaison ausgebucht; und das wollen wir auch in diesem Jahr schaffen.

Aber das Jahr hat eben mehr als nur vier Monate, und die Saisonalität ist ein Problem für Hotels, die nicht selten bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigen. Darum müssen wir Alternativen zum Strandurlaub entwickeln: Natur- und Kulturerlebnisse, Festivals, Yoga. Heute gibt es weltweit eine Milliarde Touristen pro Jahr, in zehn Jahren werden es doppelt so viele sein – das birgt auch für uns großes Potenzial.

Die Welt: Sie haben fünf Jahre in Deutschland gelebt. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Tunesien?

Karboul: Sehr wichtig. Mit mehr als 400.000 Gästen pro Jahr machen die Deutschen einen beachtlichen Teil der Tunesien-Touristen aus. Außerdem sind deutsche Touristen für uns so etwas wie ein Qualitätsmerkmal: Wenn die zufrieden sind, sind meistens auch alle anderen zufrieden.

Die Welt: Gerade ist mit der Wahl von Beji Caid Essebsi die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte Tunesiens geglückt. Was erhoffen Sie sich vom neuen Präsidenten?

Karboul: Wir als Übergangsregierung hatten nach dem Abgang von Ben Ali drei Aufgaben: transparente, faire und sichere Wahlen, die Sicherheit im Land zu erhöhen und Wirtschaftsreformen auf den Weg zu bringen. Ersteres haben wir mit der Wahl von Essebsi erreicht, und auch die Sicherheit ist gestiegen. Diese neue Stabilität ist für den Tourismus enorm wichtig.

Das Schwierigste sind wohl die ökonomischen Reformen. Wir hoffen, dass die Wahl als Ende der Übergangszeit sowohl für Investoren als auch Touristen ein starkes Zeichen dafür ist, dass das Land auf dem richtigen Weg ist.

Die Welt: Essebsi hatte bereits unter dem Autokraten Ben Ali politische Ämter inne. Mit Habib Essid könnte nun außerdem ein hochrangiger Funktionär des Ben-Ali-Regimes neuer Regierungschef werden. Was macht Sie so sicher, dass das Land auf dem richtigen Weg ist?

Karboul: Wir haben in Tunesien heute eine starke bürgerliche Gesellschaft, verschiedene Parteien, freie Medien, transparente und demokratische Wahlen. Und Tunesien braucht alle verfügbaren Kompetenzen, um diese Strukturen aufrechtzuerhalten. Außerdem geht es uns nicht darum, eine gesamte Generation auszugrenzen. Wer Unrecht getan hat, musste sich dafür vor der Justiz verantworten.

Die Welt: 3000 Tunesier haben sich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen – eine Entwicklung, die unter anderem in Form von Drohungen auch auf das Land zurückstrahlt. Wie gehen Sie damit um?

Karboul: Da haben wir eine ganz klare Strategie. Wir haben die Grenzkontrollen massiv verstärkt, schauen genau, wer das Land verlässt und wer kommt, und beobachten die Entwicklung verschiedener Gruppierungen über das Internet. Vor allem Leute, die aus Syrien zurückkommen, beobachten wir sehr genau – und bringen sie notfalls vor Gericht oder in psychologische Betreuung.

Mittlerweile haben wir auch alle Moscheen, die zwischenzeitlich von Extremisten besetzt waren, wieder unter Kontrolle. Sie sind wichtige Orte des intellektuellen Einflusses.

Die Welt: Wie gefährlich ist es zurzeit, in der arabischen Welt zu reisen?

Karboul: Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort für die mehr als 20 arabischen Länder. In Tunesien ist seit der Revolution kein einziger Tourist oder Besucher zu Schaden gekommen. Als Regierung tun wir alles, damit das so bleibt.

Die Welt: Ist Tunesien sicher?

Karboul: Tunesien ist schon seit Jahren sicher, ja.

Die Welt: In den vergangenen Wochen wurden in Tunesien ein Polizist und ein Mitglied der Nationalgarde brutal ermordet. Der scheidende Ministerpräsident Mehdi Jomaâ sagte kürzlich, er betrachte die Situation im Nachbarstaat Libyen als Gefahr für sein Land. Sie sind nicht beunruhigt?

Karboul: Die Situation in Libyen ist natürlich beunruhigend für die Stabilität der ganzen Region. Tunesien ist heute ein Sicherheitshafen für fast zwei Millionen Menschen aus dem Nachbarland. Mit ihren Familien haben Sie hier einen Zufluchtsort gefunden. Welches andere Land der Welt hat denn noch mal 20 Prozent der eigenen Bevölkerung zusätzlich aufgenommen? Und das friedlich und erfolgreich.

Die Welt: Ist Tunesien ein Sicherheitstrakt geworden?

Karboul: Wir haben schon versucht, das diskret zu lösen – mit Kameras an den Hotels zum Beispiel. Härtere Maßnahmen haben wir an der Grenze zu Libyen ergriffen, wo wir die Anlagen mit Toren und Sicherheitstechnik ausgestattet haben. Heute wird dort nicht mehr nur stichprobenartig kontrolliert, sondern wirklich jeder.

Vor den Wahlen und währenddessen gab es auch in den Städten vermehrt Polizeikontrollen. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen sich dadurch aber eher sicherer als verunsichert gefühlt haben.

Die Welt: Wie lange werden Sie diese Sicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten?

Karboul: So lange wie notwendig. Wir bleiben wachsam und beobachten die Lage kontinuierlich – auch in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie Deutschland oder Algerien.

Die Welt: Können Sie sich vorstellen, Ihre Funktion als Tourismusministerin auch unter dem neuen Präsidenten fortzusetzen?

Karboul: Wenn man mich fragt, dann würde ich es dann kontextabhängig entscheiden. Am liebsten würde ich jetzt allerdings, um ehrlich zu sein, mal ein Sabbatjahr einlegen – meditieren, Sport machen, mir die Zeit für Familie und existenzielle Fragen nehmen. Ich bin erst 41 Jahre alt – jung genug, um auch später noch mal in die Politik zurückzukehren.

Die Welt: Wo machen Sie Urlaub?

Karboul: Früher auf Djerba – meine Eltern und Großeltern leben hier. Weihnachten und Neujahr verbringe ich aber gern im sonnigen Südafrika, sonst finde ich auch Asien spannend. Seit ich Tourismusministerin bin, habe ich allerdings keinen Urlaub mehr gemacht. In diesem Amt ist man nie im Urlaub: Die Leute wollen mit einem immer über die Arbeit sprechen. Vielleicht muss ich mal woanders hinfahren.

Die Welt: Nach Deutschland zum Beispiel.

Karboul: Zum Beispiel – aber nicht im Winter. (lacht)

Adresse der Quelle:

www.welt.de

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Sonntag Aktuell Touristikpreis 2015: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für Themenreisen ausgezeichnet

Hamburg (ots)

 - Sonntag Aktuell zeichnet kreative Reiseideen aus - Themenreisen "Fußball Weltmeisterschafts-Talks" von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten prämiert 

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gehört zu den am 18. Januar veröffentlichten Gewinnern des Sonntag Aktuell Touristikpreises 2015. Ausgezeichnet wurde das Themenreisen-Programm am Beispiel der „Weltmeisterschafts-Talk Reisen“ zur Fußball-WM im vergangenen Jahr. Auch 2016 zur Europameisterschaft wird dieses erfolgreiche Format an Bord der EUROPA und EUROPA 2 wiederholt.

Mit dem Touristikpreis zeichnet Sonntag Aktuell jährlich Veranstalter und Touristikbüros für ihre kreativen Reiseideen aus. In diesem Jahr stimmten über 4.000 Leser über die zwölf von der Redaktion vorgeschlagenen Konzepte ab und schlussendlich wurden drei Gewinner gekürt. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Unterwergs-Reisen“ für das Themenreisen-Programm am Beispiel der „Weltmeisterschafts-Talk Reisen“ zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im Sommer 2014. Während der WM-Zeit analysierten an Bord der EUROPA und EUROPA 2 auf ausgewählten Reisen unter fachkundiger Leitung von Jochen Sprentzel und Jörg Wontorra Vereinsmanager, ehemalige Nationalspieler oder Schiedsrichter die Spiele und diskutierten mit den Gästen über Spielsituationen, Platzverweise und Schiedsrichterentscheidungen. Aktionen wie eine WM-Lounge, Torwandschießen oder auch kulinarische Begleitungen zu den Spielen rundeten das Programm ab.

Auch zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich können sich die Gäste wieder auf die Weltmeisterschafts-Talk Reisen freuen. An Bord der EUROPA und EUROPA 2 wird es auch dann auf ausgewählten Reisen spannende Talkrunden und Spielanalysen mit namhaften Experten geben.

Ebenfalls zum Programm der Themenreisen an Bord der Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Schiffe gehören unter anderem Familienreisen, Golfkreuzfahrten, Gourmet- und Musikreisen oder auch Studienreisen.

 

Original-Artikel:

http://www.presseportal.de/pm/22469/2929161

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Billigflieger auf Expansionskurs: Ryanair will Nummer zwei in Deutschland werden

Düsseldorf – Europas größter Billigflieger Ryanair will die Lufthansa auf deren Heimatmarkt angreifen und Air Berlin vom zweiten Platz verdrängen. „Derzeit haben wir einen Marktanteil von rund vier Prozent in Deutschland, in den nächsten drei bis vier Jahren streben wir eine Steigerung auf 15 bis 20 Prozent an“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary dem „Handelsblatt“.

Damit lägen die Iren bei der Zahl der Starts zwar noch weit hinter Marktführer Lufthansa und dessen Billigtochter Germanwings, die auf der Kurz- und Mittelstrecke einen Marktanteil von knapp 50 Prozent halten. Sie rückten aber Air Berlin auf den Deutschland- und Europastrecken auf die Pelle, die Airline hat dort einen Anteil von über 20 Prozent.

Vor der neuen Billigstrategie der Lufthansa zeigte O’Leary keine Angst. „Da treffen sich Ingenieure und Doktoren in Frankfurt und beschließen am grünen Tisch, dass sie einen Billigflieger gründen. Das reicht aber nicht.“ Auch die neuen Töchter – gemeint sind Germanwings und die neue Billigplattform Eurowings – hätten die hohe Kostenstruktur des Mutterkonzerns. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verspricht sich von Eurowings hingegen um 40 Prozent geringere Stückkosten.

Ryanair drängt nach München

Hatte Ryanair bislang vor allem auf kleinere Flughäfen abseits von Großstädten gesetzt, will O’Leary künftig verstärkt größere Flughäfen ansteuern. „Wir reden derzeit mit acht deutschen Flughäfen, davon vier bis fünf Großflughäfen, die noch nicht zu unserem Netz gehören.“ Diese böten nun „satte Rabatte“ an, um von Ryanairs Wachstum zu profitieren. Mit der veränderten Strategie will die Airline auch mehr Geschäftsreisende gewinnen.

Von April an werden die Iren Stuttgart anfliegen, der Flughafen Fuhlsbüttel in Hamburg steht bereits im Flugplan. „Wir kommen in alle eure größeren Flughäfen außer Frankfurt“, hatte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs im Dezember in der „Wirtschaftswoche“ angekündigt – und namentlich den Münchner Flughafen genannt. Dort könnte es nach Aussage des Flughafensprechers aber schwierig werden, Slots zu bekommen.

Eigenes Vergleichsportal für Flugpreise

Den Umbau von Ryanair will O’Leary in den kommenden Monaten forcieren. Die Gesellschaft solle zu einem „Amazon der Lüfte in Europa“ werden. Voraussichtlich im März will er eine Website starten, die auch die Angebote der Wettbewerber auflistet. So sollten Kunden die Ticketpreise vergleichen können, ohne Preisvergleichsportale nutzen zu müssen.

Die Äußerungen von O’Leary im „Handelsblatt“ haben den Börsenkurs der Lufthansa am Dienstagnachmittag etwas belastet. Der Billigflieger-Chef sei zwar als Lautsprecher bekannt, habe bislang aber seinen Worten Taten folgen lassen, sagte ein Händler Am Montag hatte ein kräftiger Passagierzuwachs im Dezember die Ryanair-Titel auf ein Rekordhoch getrieben. Verbesserter Service und günstigerer Ticketpreisen haben die Billigairline wohl attraktiver gemacht.

 

Die Homepage besuchen:

www.spiegel.de

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TUI stellt sich auf Währungswechsel in Athen ein

Kaum jemand erinnert sich noch an Andreas Andreadis, der 2011 für einige Tage die deutschen und griechischen Schlagzeilen beherrschte. Der Präsident des griechischen Tourismusverbandes hatte damals im Brustton der Überzeugung erklärt: „Kein griechischer Hotelier wird sich darauf einlassen.“ Womit er auf eine Euro-Währungsklausel anspielte, die Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI in die Verträge aufnehmen wollte, um sich bei einer Rückkehr zur Drachme gegen Wechselkursverluste zu wappnen.

Andreadis sollte sich irren. Heute, vier Jahre später, verfolgt die TUI die von der Bundesregierung forcierte Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gelassen. Man sei auf jegliche Währungsereignisse eingestellt. Die Verträge seien inzwischen derart gestaltet, dass Verbindlichkeiten immer in Euro zu zahlen seien, sagte ein TUI-Sprecher gegenüber der „Welt“.

TUI baut Marktführerschaft aus

Er bestätigte zugleich, dass die neue Währungsklausel für Verträge mit Hoteliers aller europäischen Länder gelte, mit denen die TUI Geschäfte macht. 2011 hatte der damalige TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher nur die griechischen Unternehmer in die Pflicht nehmen wollen, nicht jedoch die spanischen, italienischen oder portugiesischen, was die Empörung in Athen ob der Ungleichbehandlung noch befördert hatte.

In der Zwischenzeit haben sich die Wogen geglättet, und das auch deshalb, weil die TUI das Versprechen, ihre Marktführerschaft bei den Hellenen auszubauen, trotz ihrer anhaltenden Streiklust gehalten hat. So ist die Zahl der in den Griechenland-Katalogen gelisteten Hotels von 281 im Jahr 2011 auf 452 in der Sommersaison 2015 gestiegen.

Im gleichen Zuge erhöhte der Veranstalter auch die Zahl der Flugsitze. „Gegenüber dem Vorjahr haben wir das Kontingent von TUIfly um zehn Prozent aufgestockt“, so der Sprecher. Die TUI ist davon überzeugt, dass ein großer Teil der deutschen Reisenden, die den nordafrikanischen und arabischen Raum wegen der anhaltenden Unruhen meiden, auf Griechenland ausweicht.

Und weil unter diesen „Neuzugängen“ vermutlich viele jüngere Urlauber seien, will der Veranstalter „mehrere moderne Hotels aus den Reisewelten ‚TUI Scene‘ und ‚TUI Lifestyle‘ auf Kreta, Kos, Korfu sowie auf dem Westpeloponnes eröffnen: „Wir glauben, dass die Region Chania auf Kreta Trendziel Nummer eins in diesem Jahr wird.“

Währungsvorteile für Urlauber

Vorsichtiger äußerte sich der Unternehmenssprecher zu den Folgen eines Euro-Ausstiegs – er heißt im euphemistischen Neusprech nun „Grexit“ – für die Urlauber. So hatte der frühere TUI-Deutschland-Chef Böttcher 2011 zugesichert, dass die TUI Währungsvorteile, die sich durch eine wahrscheinlich sehr viel schwächere Drachme ergäben, an ihre Kunden weiterreicht: „Sollten durch eine Drachmen-Währung die Reisepreise günstiger werden, würden die Vorteile weitestgehend – oder man kann sagen eins zu eins – weitergegeben.“ Das heißt, die Kosten für Griechenland-Reisen sinken.

Demgegenüber heißt es heute aus TUI-Kreisen lediglich: „Selbst wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen sollte, hätte das für unsere Gäste keine Auswirkungen auf ihre gebuchte Reise. Die veröffentlichten Preise gelten weiterhin.“

Zwar vermutet man auch heute, dass „ein Euro-Ausstieg eine Abwertung der neuen griechischen Währung gegenüber dem Euro zur Folge hätte“. Allerdings wird in diesem Zusammenhang im Statement lediglich von verringerten Nebenkosten gesprochen: „Dann würden Lebensmittel, Getränke und Eintritte für Sehenswürdigkeiten noch günstiger als bisher.“

 

Originalbeitrag lesen:

www.welt.de

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Hostels und Jugendherbergen: Wo Skifahrer günstig übernachten

Der Schnee ist da, endlich! Seit Weihnachten rieselt es. Wer wie ich kurzfristig über die freien Silvestertage in die Berge wollte, ist beim Blick auf die Preise für das kurzfristige Skivergnügen allerdings aus den Bindungen gekippt.

Denn über Silvester kurzentschlossen in den Schnee zu reisen, kommt preislich gesehen einem Sabbatical in der Karibik gleich. Glückwunsch an alle, die sich rechtzeitig über Neujahr in den Bergen eingebucht haben.

Mit ein bisschen Insiderwissen muss auch spontaner Winterspaß nicht teuer sein. Denn man kann in den Alpen durchaus günstig nächtigen.

In Saas Fee zum Beispiel hat diesen Winter das Wellness Hostel 4000 eröffnet, eine futuristische Herberge mit angeschlossener Saunawelt und Preisen wie im letzten Jahrhundert. Bereits ab 40 Euro pro Nacht kann man dort einchecken, Frühstück inklusive. Gut, dafür teilt man sich das Zimmer mit fünf Leuten und duscht auf dem Gang. Intimität kostet extra: 130 Euro zahlt man für ein Doppelzimmer mit allem Schnick und Schnack – aber für Saas Fee bleibt das trotzdem ein Schnäppchen.

Überhaupt sind Hostels und Jugendherbergen gute Orte für die Nächte zwischen zwei Skitagen. In vielen Häusern in der Schweiz (www.youthhostel.ch) und Österreich (www.oejhv.at) übernachtet man in Zwei- bis Vierbettzimmern, einige Herbergen haben sogar Doppelzimmer mit eigenem Bad. Und oft Top-Lagen.

Das Youthpalace in Davos zum Beispiel ist ein ehemaliges Kurhaus und liegt nur einige Gehminuten von der Parsennbahn entfernt. Von der Terrasse aus hat man einen tollen Blick auf Bergpanorama und Wolfgangsee. Die Jugendherberge in Valbella-Lenzerheide liegt sogar direkt an der Piste.

Die Jugendherberge in Zermatt zählt mit ihrem futuristischen Anbau zu den modernsten in Europa. Mit etwas Glück schaut man hier sogar vom Bett aufs Matterhorn.

Und wer gerne mal gucken will, wie Stars und Sternschnuppen urlauben, kann in der Jugendherberge St. Moritz einchecken. Das Hostel liegt so zentral im Ort, dass man den Menschen in Pelzmänteln vom Zimmer aus zuprosten kann. Und wer mehr als eine Nacht bleibt, zahlt für den Skipass für die Skigebiete in St. Moritz nur 35 Franken (29 Euro) pro Tag.

Auch die Österreicher wissen, wie man uns Skifahrer günstig auf den Berg bringt. Das Haus Seespitz in Zell am See zum Beispiel hat einen Top-Skibus-Anschluss – nicht nur an das Skigebiet Kaprun.

Nett ist auch die Jugendherberge Innsbruck: Gleich drei Skigebiete sind von dort per Bus zu erreichen – und zum Après-Ski liegen zahlreiche Bars und Restaurants um die Ecke. Und die Jugendherberge Heiligenblut liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern an der Skipiste.

Zur Person

  • Louis Hermic

    Das Skifahren hat Stéphanie Souronschon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen – inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer kein Lösung.

    Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und alles, was im Winter draußen Spaß macht.

Artikel-Quelle:

www.spiegel.de/reise

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Entlang des Hadrianswalls: Vergesst den Jakobsweg!

Immer an der Wand lang: Das steinerne Band des Hadrianswalls zog sich zu Zeiten der Römer über die britische Insel. Die Christen sorgten dann dafür, dass Carlisle auch Kirchenmauern bekam.

Ein Paar, ein Pudel, mehr war mir auf dem Weg nach oben nicht begegnet. Das Paar grüßte freundlich, der Pudel sah hochmütig an mir vorbei, als ich vom Parkplatz aus am Teich entlang und schließlich den Waldweg hinauf lief.

 

Ein Schild warnte mich davor, über Zäune zu klettern, in Tümpeln zu schwimmen oder Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Mit all dem konnte ich leben: Die Kinder waren zu Hause geblieben, zum Schwimmen war es zu frisch, und über Zäune muss ich nicht, solange es Wege gibt. Während ich noch stieg, immer weiter über eine feuchte Wiese, die allmählich vom satten Grün ins Fahle wechselte, wurde der grauviolettfarbene Himmel größer und der Abgrund an meiner linken Seite steiler.

Was ins Tal gehörte, blieb auch im Tal, kein Auto ließ sich hören, kein Vogel, keines der Schafe von den Weiden beiderseits der Straße. Nur der Wind zog laut über die Wiese mit den krummgewehten Bäumen, über die Findlinge und die aufgeschichtete Steinmauer, die spektakulär auf der Kuppe des Bergs von West nach Ost verläuft, in Senken verschwindet und wieder auftaucht, manchmal majestätisch, manchmal geradezu diskret. Ein Band aus akkurat behauenen Steinen, das sich so sanft an den Berg schmiegt, als sei es schon immer da gewesen.

 

Die Mauer, die Albträume fern hält

Oder schon sehr lange. Den Hadrianswall errichteten die Römer in den Jahren 122 bis 128 nach Christus, um das nördliche Ende ihres Reichs zu sichern. Heute verläuft ungefähr hier die Grenze zwischen England und Schottland, und wenn im September die Abstimmung zur schottischen Unabhängigkeit anders ausgegangen wäre, dann träfe man vielleicht inzwischen Patrouillen auf dem Wall. Oder jemand würde die mächtigen Tore wieder aufbauen, mit denen früher der Weg zwischen Nord und Süd kontrolliert wurde.

Dass ich nun hier war, hängt mit einem dieser Tore zusammen. Zu den stärksten Eindrücken meiner Lektüre von „Prinz Eisenherz“ gehört eine Szene, in der Eisenherz, im wilden Norden unterwegs und verfolgt von den blau angemalten Pikten, erschöpft und blutend am Wall ankommt. Eigentlich sollte hier niemand mehr sein, schließlich waren die Römer zu Eisenherz’ Zeiten schon aus England verschwunden, inzwischen herrschte hier König Artus.

Aber irgendjemand, so jedenfalls erinnere ich mich an die Szene aus dem Comic, nimmt Eisenherz am Schlafittchen, zerrt ihn durch das Tor und schlägt es hinter ihm zu. Die Erleichterung des Prinzen über die fabelhaft dicke Mauer, die all die Albträume aus dem Norden fernhält, übertrug sich damals sofort auf mich.

 

Die Stadt die auf Camelot steht

Wer von London aus mit dem Zug zum einst 113 Kilometer langen Hadrianswall kommen will, kann beispielsweise nach Newcastle fahren, kurz vor der Mündung des Flusses Tyne in die Nordsee, und dann quer durchs Land nach Westen. Es gibt eine Straße südlich des Walls, die schon von den Römern benutzt wurde, und es gibt eine Eisenbahnlinie, die parallel dazu verläuft, einige Kilometer vom Hadrianswall entfernt.

Ich nahm die andere Richtung und steuerte Carlisle an der englischen Westküste an, schon weil die Stadt im Verdacht steht, eigentlich auf den Trümmern von König Artus’ Burg Camelot erbaut zu sein – Eisenherz’ Arbeitsplatz. Der Schnellzug von London nach Glasgow braucht bis Carlisle etwa dreieinhalb Stunden. Die Strecke führt direkt nach Norden, und im November bedeutet das: Der Tag altert noch schneller als sowieso schon.

 

Städte aus der Geschichte – nur in echt

Der Zug fuhr ins Graue, der feine Regen begleitete uns knapp zwei Stunden lang, und so lange hielten wir an keinem Bahnhof. Dann tauchte am Himmel ein orangefarbener Streifen auf. Die Häuser wurden weniger, die Wiesen und Weiden mehr, abgegrenzt zunächst durch sorgfältig geschnittene niedrige Hecken und später durch gepflegte Steinmauern, die angeblich aus den Überresten römischer Kastelle und Villen erbaut wurden.

Nur die Schafe, die starr der Eisenbahn nachsahen, blieben sich gleich. Wir hielten in Lancaster, das es also wirklich gibt, nicht nur in den Rosenkriegen, aber York gibt es schließlich auch, dachte ich. Die Irische See blitzte links auf und verschwand wieder, es ging durch Hügel und Heide, und dann war plötzlich Carlisle da.

 

Bischof und Königin Mary – Geisterstunde

Dass die Stadt lange ein Außenposten der Briten war, sieht man ihr an: Am Bahnhof versperrt ein klobiger Zitadellenturm den Weg ins Zentrum, und nach ein paar Schritten ist man am anderen Ende der Innenstadt, die von einer Festung auf einem Hügel bewacht wird.

 

Die Homepage besuchen:

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Horrmanns Hoteltest: Chinesische Löwen bewachen Pariser Luxushotel

Die Pariser Hotelpalette, gewiss die spektakulärste und auch teuerste in Europa, wurde gerade mit dem für mich weltweit besten Haus gekrönt, dem „Peninsula Paris“ in der Avenue Kléber, ein Steinwurf vom Arc de Triomphe entfernt. Der Prachtbau war vor 100 Jahren einmal das „Hotel Majestic“, dann das Hauptquartier der Unesco und vor der grandiosen Renovierung Konferenzzentrum des Außenministeriums.

Schließlich wurden mehrere Hundert Millionen Euro in das Hotel verbaut und in die grandiose Einrichtung mit viel Blattgold gesteckt. Sechs Jahre lang arbeiteten die besten Handwerker Frankreichs an der Gebäudefassade mit feinstem Marmor und an der Einrichtung des luxuriösesten Domizils der Branchengeschichte.

Ein riesiges Löwenpaar aus Stein „bewacht“ einen der beiden Eingänge und hält nach chinesischer Sitte die bösen Geister fern und das Glück im Haus.

Zimmer und Suiten

Die Zimmer (auch die unterste Kategorie) sind geräumig, klassisch und pfiffig gestaltet, alle mit großem begehbaren Kleiderschrank und den besten nur denkbaren Bädern, mit einer Dusche, gewaltig wie ein Tropengewitter, und mit separaten Toiletten. Viele luxuriöse Kleinigkeiten stechen hervor: der beheizte Toilettensitz, der Nagellacktrockner, der zentrale Lichtschalter am Bett, die kostenfreie Minibar.

Die meisten der 200 Zimmer und Suiten haben Balkone, exzellente Betten und wertvolle Kunstwerke als Dekoration. Bei einer derartigen Investition waren hohe Zimmerraten zu erwarten. So beginnt die Preisliste im „Peninsula“ bei 1090 Euro die Nacht.

Essen und Trinken

Drei Restaurants werden angeboten, dazu Bars und Lobby-Bewirtung, insgesamt eine interessante Genussbreite. In traumhaftem Ambiente wird im „LiLi“ kantonesische Küche serviert. Der einzige Wermutstropfen und Kritikpunkt war die Weinpflege. Die Flasche roter Bordeaux aus Pessac Léognan kam eiskalt, wie ich mir Champagner wünsche. Die Servicekraft erklärte mir dann völlig abstrus, ihre Gäste wollten das so. Der perfekt arbeitende Direktor Nicolas Béliard will das nun ändern.

Auf der Dachterrasse befindet sich das „L’Oiseau Blanc“ mit gepflegter Bistro-Küche. Zum Frühstück gibt es kein Büfett, sondern À-la-carte-Gerichte auf edlem Porzellan.

Der Service

Auf Wunsch wird der Gast am Flughafen abgeholt. In allen Bereichen, von der Rezeption bis zum Room Service, die kleine Wein-Episode einmal ausgeklammert, ist der Service und die Pflege des Gastes perfekt, liebenswert, engagiert.

Das Urteil

Wann erreicht ein Hotel schon mal 99 Punkte? Bei meiner TV-Serie „Fünf Sterne sind mit nicht genug“ war der Höchstwert 89. Das „Peninsula“ ist mit der phantastischen Hardware, dank des umsichtigen Chefs Béliard und selbst bei kritischer Betrachtung schon jetzt mein Traumhotel von 2500 getesteten Häusern. Großes Kompliment!

Ein paar Mal gaben sich Hotels selbst sechs Sterne. Im „Peninsula“ wären sie verdient. Seriös bewertet sind das mit einem Plus fünf ehrliche Sterne.

Quelle:

www.welt.de/reise

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New York: Ellis Island war Tausenden ein Tor in die Freiheit

Gleich hinter der Freiheitsstatue war die Freiheit erst einmal wieder zu Ende. Befragungen, Untersuchungen, Tests – erst danach ging es in das Land der Freiheit und vielleicht sogar des Wohlstands. Wenn man nicht wieder zurückgeschickt wurde.
Ellis Island im Hafen von New York war mehr als ein halbes Jahrhundert das Tor zu den USA, an dem Tausende auf Einlass hofften. Vor 60 Jahren – am 12. November 1954 – wurde das Aufnahmelager geschlossen, heute ist es eine der wichtigsten Attraktionen New Yorks.
Fast jeder Amerikaner stammt aus einer Einwanderer-Familie. Doch immer hatten die, die schon da waren, Furcht vor denen, die noch kamen; bis heute. Die Segler des 19. Jahrhunderts ließen ihre menschliche Fracht zumeist einfach an Land, doch nach und nach entwickelten die Bundesstaaten ein Behördensystem.
Schließlich nahm sich Washington der Sache an und ließ eine Insel im Hafen von New York zum großen Auffanglager ausbauen. Dafür wurde ihre Größe verdoppelt, indem man den Erdaushub vom U-Bahn-Bau nutzte. Am 1. Januar 1892 eröffnete die Station mit Krankenhaus, Wäscherei, Restaurant, Kerker und einer großen Halle.
29 Fragen bei der Einreise
In knapp 63 Jahren durchliefen zwölf Millionen Menschen das Auffanglager. Die meisten blieben nur ein paar Stunden da und mussten 29 Fragen beantworten, unter anderem wie viel Bargeld sie hatten. Denn Amerika wollte niemanden, der später der Gesellschaft zur Last fallen würde. Etwa zwei Prozent der Ankömmlinge wurden zurückgeschickt.
Ein Mythos ist es übrigens, dass die Einwanderer zwangsweise englische Namen bekamen. Verschrieb sich der Beamte allerdings bei den seltsamen irischen, polnischen oder deutschen Namen, blieb das zuweilen der neue Familienname.
„Sie haben uns Fragen gestellt“, erinnerte sich Pauline Notkoff 1985 für das Archiv von Ellis Island. „Wie viel ist eins und eins? Wie viel zwei und zwei? Ein Mädchen wurde gefragt: Wie putzt man Treppen? Von unten nach oben oder oben nach unten? Sie antwortete: ,Ich bin nicht nach Amerika gekommen, um Treppen zu putzen.'“ Sie kam rein.
„Manche Familien mussten Tage oder Wochen hier ausharren“, erzählt Michael Burke. „Für sie gab es ein Krankenhaus, in dem über die Jahre 35 Kinder geboren wurden. Es sind allerdings auch 3500 Menschen hier gestorben.“
Burke ist Chef der kleinen Fährgesellschaft, die heute jeden Tag Tausende Touristen zur Insel bringt. Denn 1954 schloss Ellis Island, weil der Einwandererstrom nicht mehr nur zentral an einem Ort bewältigt werden konnte. Seit 1991 ist die Insel ein Museum.
Tarzan unter Habenichtsen
„Die meisten sind einfach neugierige Touristen“, sagt Joe Moran, Kapitän eines der Touristenschiffe. „Aber viele sind auch Kinder oder Enkel von Einwanderern.“ Und immer mal wieder komme ein sehr alter Mann oder eine sehr alte Frau zu ihm, ein, zwei Dutzend Kinder und Enkel im Schlepptau, und sage ihm: Wissen Sie was, da bin ich als Vierjähriger angekommen, und jetzt habe ich eine große Familie.
Viele berühmte Amerikaner kamen hier als Habenichtse an, etwa Rudolph Valentino (Herzensbrecher), Johnny Weissmuller (Tarzan), Bob Hope (Komödiant), Erich von Stroheim (Regisseur), Edward G. Robinson (Hollywoods Chefgangster), Lucky Luciano (echter Chefgangster), Cary Grant (Hollywoodlegende), Max Factor (Kosmetiklegende), Irving Berlin („White Christmas“) oder Isaac Asimov (Science-Fiction). Fast jeder dritte Amerikaner kann seine Wurzeln auf Ellis Island zurückführen.
Heute ist Ellis Island eine der größten Attraktionen New Yorks. Das heißt, eigentlich nicht: 1998 stellte nach 200 Jahren Streit der oberste Gerichtshof der USA fest, dass die Insel eigentlich zum benachbarten New Jersey gehört. So war selbst Ellis Island in New York eigentlich eine Immigrantin.

Zuerst erschienen auf:
http://www.welt.de/reise/staedtereisen/

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